Mönchengladbach: Debüt dreier junger Klavierschüler und 3. Sinfoniekonzert

3. Sinfoniekonzert : Drei junge Pianisten glänzen beim Debüt

Zuerst das Schüler-Debüt, dann das dritte Sinfoniekonzert: Der abwechslungsreiche Abend wurde gekrönt vom Mandolinisten Jacob Reuven.

Wer ein Konzertprogramm abseits des Gängigen erleben wollte, war beim 3. Sinfoniekonzert genau richtig. Igor Strawinskys „Pulcinella“-Orchestersuite stand am Anfang des abwechslungsreichen Abends im Konzertsaal des Theaters, dann gab es ein Mandolinenkonzert des in Amerika lebenden Israeli Avner Dorman (geb.1975) und im zweiten Teil die fast nie zu hörende Sinfonie Nr.31 D-Dur „Mit dem Hornsignal“ von Joseph Haydn.

Pavel Baleff, Chefdirigent der weitgereisten Philharmonie Baden-Baden, stand als Gastdirigent am Pult der Niederrheinischen Sinfoniker, die seinem unaufgeregten und einfühlsamem Dirigat willig folgten. Für die Suite, in der barocke Werke in der Sprache des von Strawinsky zeitweise genutzten Stils des Neoklassizismus erzählt werden, gilt: Wie in der Commedia del Arte hat jeder eine eigene Rolle. Das bedeutet für die Interpreten, sich ständig solistisch präsentieren zu müssen, was den beteiligten Musikern trotz teils extremer Schwierigkeiten ohne Ausnahme glänzend gelang.

Ähnlich herausgefordert war das klein besetzte Orchester in Joseph Haydns Sinfonie, die dieser zu Beginn seiner langen Dienstzeit beim Fürsten Esterházy 1765 schrieb. Ein Hornquartett ist immer wieder reichlich beschäftigt, auch alle anderen Soli liegen offen. Hier bewährten sich vor allem Konzertmeister Fabian Kircher, Solocellist Gishlain Portier sowie Dario Portillo Gavarre (Flöte) Tomislav Novak (Oboe) und Berten Clays (Posaune). Selbst der erste Kontrabassist Klaus Schneider durfte sich im Variationssatz einmal solistisch zeigen. Viel Melodienseligkeit war bei der Wiedergabe dieser Sinfonie zu genießen – namentlich das traumschöne Adagio zelebrierten Baleff und das Orchester mit Hingabe.

Weniger eingängig, aber hoch interessant gestaltete sich die Präsentation eines der weltbesten Mandolinisten, des aus Israel stammenden Jacob Reuven, der sich intensiv für eine Wiederentdeckung seines fast vergessenen Instruments einsetzt. Er interpretierte (dabei wurde sein für den Konzertraum allzu leises Instrument verstärkt) mit atemberaubender Technik und hoher Musikalität das anspruchsvolle Mandolinenkonzert von Avner Dorman, in dem sich Barockes, Fernöstliches, Blues und klassische Moderne paaren.

Die kleine Gruppe der begleitenden Streicher wusste sich achtsam einzufügen. Für den ausdauernden Applaus dankte der Künstler zunächst mit einem Satz aus einem Mandolinenkonzert von Antonio Vivaldi. Hier wurde er am Cembalo begleitet von Zeynep Artun-Kircher, die auch den obligaten Cembalopart in der Haydn-Sinfonie übernahm. Als zweite Zugabe erfreute der Künstler sein Publikum mit einer in einer wilden Stretta endenden Improvisation.

Großer Beifall war ihm ebenso sicher wie dem an diesem Abend ganz besonders geforderten Orchester und dem feinsinnigen Dirigenten.

Drei Pianisten der Musikschule, allesamt Schüler von Burkhard Kerkeling, zeigten im gut besuchten Debütkonzert ihr beachtliches Können. Der 15-jährige Kevin Ha Chong bewies in der makellosen Wiedergabe der Polonaise cis-Moll op. 26 Nr. 1, dass er zu ausdrucksstarkem Spiel fähig ist. Sein Bruder Sebastian, 18 Jahre jung, schenkte dem Moment musical op. 16 Nr. 4 von Sergej Rachmaninow brillante Technik und beherzten Zugriff. - Kha-Tu Nguyen (17) hatte sich sogar an die „MondscheinSonate“ cis-Moll op. 27 Nr. 1 von Ludwig van Beethoven gewagt. Einfühlsam gelang ihr der bekannte erste Satz, und das Presto bewältigte sie in bewundernswert rasantem Tempo. Bravo!