Mönchengladbach: Das Alma-Quartett spielte im Bis-Zentrum

Konzert in Mönchengladbach : Klassische Musik aus einem Nachlass

Das Alma-Quartett führte Stücke auf, die dem Bratscher Martin Börner von seinem Vater hinterlassen wurden. Im Verlauf des Konzertabends wurden die vier Musik zu einem Sextett. Die Instrumente wetteiferten dabei miteinander.

„Eine kleine musikalische Überraschung“ versprach das Alma-Quartett für den Beginn seines Konzerts. Überraschend war in der Tat, dass nicht ein Streichquartett, sondern eine Besetzung mit Kontrafagott, Bratsche und zwei Celli die Bühne des BIS-Zentrums betrat. Der Anlass: Martin Börner, der Bratscher des Quartetts, hatte im Nachlass seines Vaters, des Musikprofessors und Komponisten Klaus Börner, fünf Miniaturen entdeckt, die er zusammen mit seiner Tochter und Enkelin des Komponisten Laila Börner (Kontrafagott) sowie mit Markus und Hanna Beul (Cello) einmal vorstellen wollte. So kam es zur Uraufführung der kurzen, originellen Stücke, die in neuer Verpackung auch Zitate von Bach und Mozart einbezogen.

Wie Börner verriet, hatte sein Vater dieses Werk für einen Kompositionswettbewerb des Landes Brandenburg geschrieben und eingereicht, konnte mit ihnen dort aber nicht reüssieren. Wie dies sich auf die Stimmung seines Vaters ausgewirkt hätte, fügte der Bratscher schmunzelnd hinzu, wäre der noch erhaltenen Korrespondenz leicht zu entnehmen.

Danach hieß es zweimal opus 18, zunächst mit Ludwig van Beethovens c-moll-Streichquartett op. 18.4. Das Werk stellt, noch ganz in der Tradition der Haydn-Quartette, die erste Violine stark in den Vordergrund. Wie zu erwarten, hatte Fabian Kircher mit dem Part keine Probleme. Im präzisen Zusammenspiel mit Andreas Greuer (2. Violine), Martin Börner (Bratsche) und Markus Beul (Violoncello) war eine intensive Wiedergabe zu hören, die auch die Akzente und die dynamischen Höhepunkte sorgfältig herausarbeitete.

Im zweiten Teil vergrößerte sich das Alma-Quartett sogar zum Sextett. Hinzu kamen Hanna Beul für das zweite Violoncello und Eva Gosling, die die zweite Violine übernahm. Andreas Greuer wechselte zur zweiten Viola. Noch einmal hieß es op. 18, diesmal von Johannes Brahms. Der Komponist schrieb einst sein Streichsextett B-Dur noch vor seinen Streichquartetten und -quintetten und auch noch vor seiner ersten Sinfonie. Es ist also eines seiner frühen Stücke.

Die Erweiterung eines Streichquartetts zum -sextett erwies sich unter klanglichem Aspekt mehrfach als lohnend. Zum einen wird der Gesamtklang durch die Hinzunahme einer zweiten Bratsche und eines zweiten Cellos deutlich fülliger; er gewinnt vor allem in den mittleren Lagen an Dichte. Und dann ergibt sich noch eine kompositorische Möglichkeit, von der Brahms eifrig Gebrauch machte.

Hanna Beul nannte sie in ihrer Anmoderation scherzhaft „Pärchenbildung“ und traf damit genau den Kern des musikalischen Gedankens. Indem immer wieder je zwei Geigen, Bratschen und Celli gegeneinander wetteifern, entstehen reizvolle Klangvarianten, die dem Zuhörer Genuss verschaffen.

Die Wiedergabe der ausgewählten Stücke berücksichtigte beides, den harmonischen Zusammenklang und die differenzierten Strukturen. Die Zuhörer waren begeistert, wie der lebhafte und lange Beifall erkennen ließ.

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