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Mönchengladbach: Darum geht es im neuen Song von Marie Rauschen

Sängerin aus Mönchengladbach : Marie Rauschen veröffentlicht einen neuen Song

Nachdenklich, tanzbar und mit dem Potential zum Ohrwurm – woher Marie Rauschen ihre Ideen hat und wie Elektro-Pop mit kritischen Fragen zusammenpasst. Ihr neues Lied heißt „Deine Eltern“.

„Deine Eltern, wie sehen die so aus? Sag mal, wo kommt ihr noch mal her? Ich mein ja nur so ungefähr … Und ich wollt dich noch was fragen: Bist du vielleicht schwul?“

Fragen über Fragen besingt Marie Rauschen in ihrem neuen Song „Deine Eltern“. Fragen aus der Realität des Alltags, die harmlos und ohne böse Absicht geäußert und gemeint sein mögen, aber das Gegenüber verletzen, beschämen, sogar beängstigen können. Marie Rauschen befasst sich in ihrem Lied, das zusammen mit einem sehenswerten Video am 24. Juni erschienen ist, mit der Problematik des strukturellen Rassismus in der Gesellschaft, mit Fragen nach sexueller Identität und Homophobie.

„Worte sind nicht einfach Worte. Sie lassen dich zurück.“ Worte können unbedacht eine rassistische Anmutung bekommen. Wie, das erklärt Rauschen an einem Beispiel: „Wenn ich eine schwarze Person treffe und sie frage, wo sie herkommt. Und sie antwortet: ‚Aus Köln.‘ Und ich hake nach: Aber wo kommst Du wirklich her?‘ Dann geht das schon in den Bereich des Rassismus.“

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An den Worten ihrer Songtexte feilt die 34-Jährige lang und intensiv, bis sie wirklich sitzen und das ausdrücken, was sie sagen möchte. „Mir ist der Text sehr wichtig. Ich achte darauf, welche Bedeutung ein Wort tatsächlich hat“, erklärt Marie Rauschen. Das mag auch daran liegen, dass sie Germanistik auf Lehramt studiert hat und in einer Grundschule in Düsseldorf, wo sie lebt, unterrichtet. Geboren ist Marie Rauschen in Rheydt. „Ich bin immer gerne in der Heimat“, betont sie.

Seit 2018 veröffentlicht Marie Rauschen ihre Songs. Sie spielt und komponiert die Lieder mit ihrer Gitarre. Ihre Vorgehensweise ist nicht festgeschrieben: Mal ist da erst der Text und sie schreibt die Musik dazu, mal umgekehrt.

Eine klassische Musikschul-Biografie hat Rauschen nicht hinter sich gebracht. „Musikalische Früherziehung, die hab ich gemacht. Und mit acht Jahren ein Jahr lang Klavierunterricht“, erzählt sie. Aber „das Müssen“ war nicht ihr Ding. Eine intensivere Beschäftigung mit der Musik fand während des Studiums und im Referendariat statt. 2014 schrieb sie ihren ersten eigenen Song, vorher hat sie fremde Stücke gecovert.

Marie Rauschens musikalischer Stil ist der Elektropop, tanzbar und eingängig. „Deine Eltern“ hat einen mitreißenden Rhythmus. Wie geht das mit der ernsthaften Thematik zusammen? „Ich finde, es passt gut“, erklärt die Sängerin, „weil ich damit viele Menschen erreiche.“ Denn Marie Rauschen möchte mit ihren komplexen Inhalten nicht anklagen, sondern die kritischen Situationen, wie sie sich ihr darstellen, schildern. Sie möchte zum Nachdenken und vielleicht sogar zur Verhaltensänderung anregen. Aber: „Der ernste Text soll auch eine positive Seite haben“, sagt Rauschen – und die entsteht durch die Musik.

Die Herstellung der EP „Deine Eltern“ wurde vom Verein Corinna gefördert. Produziert wurde sie gemeinsam mit Jonathan Dangelmeyer bei Stereo Labs Recording. Absolut sehenswert ist das dazugehörige Video, das auf Youtube zu finden ist. Mit Kathrin Dreckmann, Musikvideo-Forscherin am Institut für Medien- und Kulturwissenschaft der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, und Verena Meis, Schauspieldramaturgin am Theater Mönchengladbach, entwickelte Rauschen einen Film, der in einer hochästhetischen Bildsprache Text und Musik begleitet.

Im Herbst plant Marie Rauschen, mit weiteren neuen Songs ein Konzert zu geben.