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Mönchengladbach: Chopin-Abend mit Timur Gasratov in Geneicken

Weltklassik am Klavier in Mönchengladbach : Chopin-Abend im alten Geneickener Bahnhof

Der in Odessa geborene Pianist Timur Gasratov überzeugte bei seinem Konzert in der Reihe „Weltklassik am Klavier“ im Geneickener Bahnhof.

Chopins Polonaise „Heroique“ sei für ihn ein besonderes Stück. „Sie ist das erste Werk, das ich vor 25 Jahren von Chopin gespielt habe“, verriet der in Odessa geborene Pianist Timur Gasratov. Diese erste Auseinandersetzung mit Chopins Schaffen am Klavier dürfte sehr nachhaltig gewirkt haben. Denn Gasratovs Auftritt bei der Reihe „Weltklassik am Klavier“ in Geneicken war eine einzige Hommage an den großen Romantiker. Der Flügel stand mittig zur Längsseite des kleinen Konzertsaals, so dass in halbkreisförmiger Sitzplatzanordnung ein jeder im Publikum dem Interpreten nahe war.

Im Programm hatte auch die Polonaise As-Dur Opus 53 als eines der bekanntesten Klavierwerke Chopins ihren Platz. Temperamentvoll und in kraftvollen Aufschwüngen serviert, bestimmte sie die Mitte zwischen der Auswahl aus den Préludes Opus 28 und den Etüden Opus 25. Die Polonaise erhielt ihren Namen „Heroique“ nicht durch den Komponisten, ebenso wenig wie die Préludes. Es sei nicht in Chopins Sinne gewesen, dass jedes dieser Stücke wegen seiner ausdrucksvollen Bildhaftigkeit in musikalischen Kreisen einen eigenen Namen erhielt, erzählte Gasratov. Sein ausdifferenziertes Spiel half allerdings, die Neigung zur Benennung der Klangbilder zu verstehen. In feinen Nuancen lotete der Pianist lyrische Momente und Melodieführung aus, band hier eine beinahe verspielte Leichtigkeit ein, die an anderer Stelle mit virtuos pulsierenden Passagen kontrastierte. In die Interpretation des als „Regentropfen-Prélude“ bekannten Musikstücks in Des-Dur mit berührend kantabler Melodie gestaltete er ein sanft funkelndes Leuchten über beharrlich wiederkehrendem Ton, der an einen Sommerregen denken ließ.

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Der zweite Programmteil war den Etüden 25 gewidmet. Sie seien „absolute Bilderstücke“ sagte er über die Kompositionen. „Gebrochene Akkorde sollen stürmisch klingen, springende Vorschläge tänzerisch, wahnsinnige Sprünge wie ein Witz, die Melodie in der linken Hand wie ein Cello“, beschrieb der Künstler mögliche Impressionen. Im virtuosen Spiel entfachte er ein Feuerwerk mit stürmischen Steigerungen, spritzig tänzerischen Passagen und zarten Momenten. Das Publikum dankte mit langem Beifall. Erst nach der dritten Zugabe hatte es ein Einsehen, dass auch dieser Konzertabend enden musste.

Am 20. November tritt Mikhail Dantschenko mit Werken von Beethoven, Schumann und Chopin im alten Bahnhof Geneicken auf.