Mönchengladbach : Die Tonartisten überwinden Altersgrenzen

54 Sängerinnen und Sänger umfasst der Chor zur Zeit. Das jüngste Mitglied ist 20 Jahre alt, das älteste 85.

„Uiuiuiuiuiuiui“ schallt es durch die geschlossenen Türen des Pfarrheims in Uedding. Mit „Jubidu, jubida“ und Ähnlichem geht es weiter. Nein, keine schrägen Typen sind dort hinter der Tür aktiv, sondern die „Tonartisten“.

„Es schwinden jedes Kummers Falten, solang des Liedes Zauber walten“, so sinnierte bereits Friedrich Schiller im späten 18. Jahrhundert. Wie richtig der Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker lag, davon kann man sich dienstagabends im Pfarrheim Uedding überzeugen. Von 19.45 bis 21.15 Uhr proben dort mehr als 50 Männer und Frauen (vom Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen wird noch zu sprechen sein) – ohne jegliche Falten des Kummers.

Unter der musikalischen Leitung von Musiker und Studienrat am Wegberger Gymnasium Joachim Schenk geht es nach Gespenstergeräuschen und weiterem Warmsingen voller Lust am Singen mit „Look at the World“ von John Rutter weiter. Seit 2012 leitet Schenk die Geschicke des Chors. Ein Zufall: Mit dem Vorstands- und Chormitglied Uwe Groß sang er im Konzertchor Mönchengladbach, als die Tonartisten einen neuen Chorleiter suchten. Der Kontakt war geknüpft, Schenk bewarb sich und wurde angenommen.

Die Tonartisten singen seit dem Jahr 2000 zusammen, weiß Gründungsmitglied Christa Klinke zu berichten. Eine musikalische Bekannte fragte sie damals, ob sie nicht Lust zum Singen in einem Chor habe, worauf sie die Standardantwort „Ich kann nicht singen“ gab und zur Antwort erhielt: „Doch, jeder kann singen.“ Also war Christa Klinke dabei. Schnell waren 15 Sangesfreudige, überwiegend aus Neuwerk, und ein junger Chorleiter beisammen.

54 Sängerinnen und Sänger umfasst der Chor zur Zeit. Das jüngste Mitglied ist 20, das älteste 85 – Singen überwindet alle Altersgrenzen. Das Repertoire ist sehr breitgefächert, „querbeet gemischt“ so nennt es Schenk. Pop-Songs, Rock, Musicals, Gospels, Filmmusik – für jeden ist etwas dabei.

Der Chor ist demokratisch organisiert. Bei Uwe Groß und Brigitte Dücker als Vorstand laufen die Fäden zusammen. Es gibt einen Liedausschuss, der dem Chorleiter Vorschläge für neue Lieder macht, die der Liedausschuss aus den Ideen des Chores zusammen trägt. Dann gibt es noch das Eventteam, das Schlüsselteam, das Beschwerdeteam und das Technikteam – ein Chor ist doch mehr als nur eine wöchentliche Probe und ein gelegentlicher Auftritt. Apropos: „Wir sind kein Chor, der des Auftritts wegen singt“, erklärt Groß. Und doch gibt es sie immer wieder, die öffentlichen Auftritte oder Proben. Aber was immer im Vordergrund steht, das ist der „Spaß am Singen“. Und dieser, so Schenk, teilt sich den Zuhörern mit. Wenn der Chor auf der Bühne steht, so der Chorleiter, „da kommt was rüber“. Das ist echt ein „netter Haufen“, sagt er lächelnd.

Aber auch dieser nette Haufen hat das Problem vieler Chöre: er braucht dringend männlichen Nachwuchs. Wer also seine Stimme den Tonartisten geben möchte, ist willkommen. Informationen findet der Interessierte der Internetseite:
www.dietonartisten.de