Mönchengladbach: Cäcilia Odenkirchen steht als ältester Kirchenchor vor Jubiläum

Chöre in Mönchengladbach : Ältester Kirchenchor vor Jubiläum

Die „Cäcilia“ St. Laurentius in Odenkirchen besteht seit 249 Jahren. Damit ist der Kirchenchor der älteste im Bistum Aachen.

Zusammen mit sechs Männern und der Chorleiterin steht Edith Eickels-Duhain rund um ein Klavier im Probensaal des Johannes-Giesen-Hauses. Kantorin Stephanie Borkenfeld-Müllers zeichnet mit weichen Luftfiguren der rechten Hand die rhythmische Struktur eines uralten Singstücks nach und spielt zur Intonationskontrolle mit der linken die Melodie am Klavier mit. Die Vokalgruppe stimmt den Choral „Resurrexit“ an. Die getragene,  einstimmige Osterweise ist vor mehr als 1000 Jahren von Mönchen „komponiert“ worden. Uralter Lobgesang der Klöster: Gregorianischer Choral. Dass in der „Schola gregoriana“ heute mit der in Frankreich geborenen Edith Eickels-Duhain und der 53-jährigen Kantorin zwei Frauen singen, „ist fast schon revolutionär“, betont Borkenfeld-Müllers.

Die gregorianische Singtradition pflegt die Pfarre St. Laurentius seit Jahrhunderten, genauer: seit 249 Jahren. Am 15. April 1770 – im selben Jahr ist übrigens Ludwig van Beethoven geboren – gründeten 16 Männer in Odenkirchen eine Chorgemeinschaft. „Diese Choralschola wurde zur Keimzelle unseres Kirchenchores“, erläutert Borkenfeld-Müllers. „Es gibt mir sehr viel, Gregorianischen Choral zu singen“, erklärt Lorenzo Exner Arizaga, warum er die scheinbar schlichte Singtradition nicht mehr missen möchte. Und Gero M. Müllers zitiert den tschechischen Komponisten Petr Eben, der gesagt habe, „man muss diesen Chorälen mit Demut begegnen“, und fügt an: „Wir sind der Meinung, dass wir dieses wertvolle Kulturgut erhalten sollten.“ „In te dominum speravi“ (Auf dich, Herr, hoffe ich) beginnt ein Psalmgesang aus dem Graduale Romanum, dem Choralbuch der katholischen Kirche.

Es ist Mittwochabend, die achtköpfige Vokalgruppe bereitet das liturgische Programm für die Ostermontagsmesse vor. Nach einstündiger Probe füllt sich der Saal plötzlich mit Menschen. Etwa 50 von insgesamt 60 Sängerinnen und Sängern des Kirchenchores erscheinen zum zweiten, längeren Teil der wöchentlichen Chorprobe. Auch jetzt bleibt die lateinische Sprache schwerpunktgemäß Grundlage des Singens. Was sich jedoch gegenüber der Vergangenheit geändert hat: Heute bilden Frauen in dem ehemaligen Männerchor die Mehrheit. 39 Sängerinnen stehen 17 Sängern gegenüber. Dabei hat es bis 1964 gedauert, dass der weiblich besetzte Marienchor der Pfarre mit dem Männerchor fusionierte und ein gemischter Chor entstand. Für die Gottesdienste an Ostern und Pfingsten in St. Laurentius probt der Kirchenchor die Messe brève von Léo Delibes und die Missa brevis in B von Mozart.

Zum „Warm-up“ lässt Chorleiterin Borkenfeld-Müllers die Sängerinnen und Sänger aufstehen und ein paar gymnastische Übungen ausführen. Danach werden auch Atmung, Stimmbänder und -lippen mit gezieltem Stimmbildungsprogramm mobilisiert. Erstaunlich, wie notensicher die Laien ihre Partien aus den Partiturheften absingen. Natürlich sitzen die sechs Teile des Messordinariums noch nicht perfekt, aber die Chormitglieder sind hochmotiviert und setzen Gestaltungshinweise der „Chefin“ sofort um. Mal möchte Borkenfeld-Müllers, die seit 1990 als Kantorin, Organistin und Chorleiterin an St. Laurentius arbeitet,einen Abschnitt leiser, mal etwas kräftiger hören. Oder es gilt, eine Steigerung (crescendo) vorzunehmen. Dabei versprüht die zierliche Kirchenmusikerin stets gute Laune. Statt zu tadeln, lässt sie eine noch instabile Passage einfach wiederholen. Wobei sie den Choristen Tipps gibt, wie sie die Musik von Delibes, Mozart oder Colin Mawby aufführungsgerecht interpretieren sollen. Im Mai 2018 erhielt der älteste Kirchenchor der Stadt die Zelter-Plakette der Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände. Vor dem Hintergrund dieser hohen, vom Bundespräsidenten unterschriebenen Auszeichnung ist dem Leitungsteam des Chores um die Zukunft nicht bange. „Zumal für uns im nächsten Jahr zum 250-jährigen Bestehen ein großes Jubiläum zu feiern ist“, informiert Chorsprecher Andreas Rücker.

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