Orchester in Mönchengladbach Der Dirigent mit einem Faible für E.T.

Mönchengladbach · Enrique Carlsson hat Ende 2022 das ehemalige Werksorchester übernommen. Gerade proben die Musiker für das Frühjahrskonzert Arrangements zu Filmmusiken. Wie die Proben laufen, und worauf Carlsson besonderen Wert legt.

 Enrique Carlsson probt mit „Brass in Concert“ für das Frühjahrskonzert.

Enrique Carlsson probt mit „Brass in Concert“ für das Frühjahrskonzert.

Foto: Ilgner Detlef (ilg)

„Das muss super knackig kommen und rhythmisch exakt sein“, ruft Enrique Carlsson ins Orchester rein. Die Posaunen und Tuba wiederholen die Takte und beim zweiten Mal klingt es viel besser. Das Orchester „Brass in Concert“ probt wöchentlich in der Aula der Rudolf-Steiner-Schule. Aktuell erarbeiten die 37 Musiker die Stücke für ihr Frühjahrskonzert am 7. Mai um 17 Uhr in der Stadthalle Rheydt.

Orchester und Dirigent sind gerade in der Einstimmphase, denn der 26-jährige gebürtige Spanier hat die Leitung des Ensembles erst im vergangenen Dezember übernommen. Doch Carlsson hat klare Vorstellungen davon, wie sein Orchester klingen soll. Schon in seinen jungen Jahren kann er auf eine gute Portion Erfahrung zurückblicken und beherrscht sein Handwerk. Carlsson leitet unter anderem das Jugendsinfonieorchester Essen. Dort lernte er auch den ehemaligen Orchesterleiter von „Brass in Concert“, Tobias Liedtke, kennen. Dann kam eins zum anderen und nach einem Probewochenende hatte Carlsson das Orchester überzeugt, und sie wählten ihn einstimmig zu ihrem neuen Leiter.

„Mich reizt an der Position die Zusammenarbeit mit Menschen“, sagt Carlsson. Tatsache sei, dass man vor dem Orchester Musik gestalten kann, anders als wenn man Teil des Klangapparates ist. Das weiß er, weil er selbst Violine studiert hat. „Brass in Concert“ ist ein sinfonisches Blasorchester, das aus dem Werksorchester der Mönchengladbacher Firma Mannesmann Demag (heute SMS-Meer) erwachsen ist. Für die erweiterte Besetzung mit Pauken, tiefem Blech (Horn, Bariton-Tuba) und Holzblasinstrumenten wie Oboe, Fagott, Flöte und Bassklarinette eignen sich nicht nur Stücke für Jazz-Orchester, sondern auch klanglich groß angelegte Werke wie die Filmmusik zu E.T. Das Stück steht auch auf dem Programm des Frühjahrskonzerts.

„Es ist ein herausfordernder Job. Ich versuche, den Klang zu formen, der mir angeboten wird, denn die Stimmen sind unterschiedlich stark besetzt. Beispielsweise haben wir neun Klarinetten und fünf Saxofone, aber nur eine Oboe und ein Fagott“, sagt Carlsson. Ziel sei es, die heterogene Struktur zu einem homogenen Ganzen zu formen, und zwar auf musikalischer und menschlicher Ebene.

Dazu äußert der Dirigent während der Probe konkret seine Vorstellungen. „Hört bitte einander genau zu, schon der erste Ton muss zusammen sein“, so Carlsson. Die Klarinetten wiederholen die Stelle einmal, zweimal, erst beim dritten Anlauf ist der Dirigent zufrieden. „Seht, ihr könnt das, und deswegen kann ich das einfordern“, begeistert er sich.

Für das Konzert hat sich das Orchester für ein reines Filmmusik-Programm entschieden. Die Musikkommission, Vertreter jeder Stimmgruppe, stimmen gemeinsam und demokratisch über die Titel ab. Die Musiken zu „Curtain up“, Batman, Bugs Bunny und E.T. sind unter anderem in der Vorbereitung, größtenteils anspruchsvolle Stücke, die eine gute Beherrschung des Instruments fordern. Die Filmmusik zu E.T. zählt zu Carlssons Lieblingsstücken. Tückisch sind die durchs ganze Orchester verteilten Stimmeinsätze. Auf einem vom tiefen Blech komplizierten Rhythmus breitet sich ein Klangteppich aus, die Klarinetten steigen ein, dann die Flöten und dann das ganze Orchester. „Ihr müsst den Ton so spielen, als wäre er schon immer da, in den Klang reinatmen“, sind Carlssons Bilder, die den Spielern helfen, seine Klangvorstellung umzusetzen.

Mit exakten, impulsiven Bewegungen fordert er die angezeigte Spielweise ein. „Das ,subito piano‘ (abrupt leise) muss super konkret kommen, sehr präzise, bitte, sonst ist die Wirkung weg“, sagt Carlsson.

Immer wieder lobt der 26-Jährige die Instrumentalisten, die konzentriert an seinen Lippen und seinem Taktstock hängen und mit Begeisterung seinen Anweisungen folgen. Das Ergebnis kann sich hören lassen: „Insgesamt ist es viel besser als beim ersten Mal. Wir kommen heute viel schneller durch, sehr gut.“

Info: Kartenreservierung unter www.brass-in-concert.de oder direkt bei den Orchestermitgliedern

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