Mönchengladbach: Bestsellerautor erzählt mit Roman eigene Fluchtgeschichte

Sasa Stanisic in Mönchengladbach : Bestsellerautor erzählt mit Roman eigene Fluchtgeschichte

Zum Auftakt des „Literarischen Sommers“ kam der aus Bosnien stammende Autor Sasa Stanisic nach Rheydt. Dort las er vor 150 Besuchern.

Es geht darum, was Heimat ist. Und es geht um Flucht: schwere Themen, deren Tragik offenkundig ist. Sasa Stanisic hat sich in seinem neuen Buch „Herkunft“ mit genau diesen Dingen befasst. Am Donnerstagabend las er vor 150 Gästen in der Stadtteilbibliothek Rheydt. Trotz aller Tragik: Dabei wurde oft und laut gelacht. 

Die Lesung war die Auftaktveranstaltung des „Literarischen Sommers“ 2019. Kulturdezernent Gert Fischer eröffnete die Veranstaltung und zeigte sich begeistert von dser Lesereihe, die „seit 20 Jahren funktioniert“. Das grenzüberschreitende Literaturfestival, das in diesem Jahr in großen und kleinen Städten wie Düsseldorf, Amsterdam, Korschenbroich, Mönchengladbach, Aachen und Vaals stattfindet, zeige, dass „Europa funktioniert“.

Sasa Stanisic bedient sich in seiner Literatur nicht nur einer außergewöhnlichen Sprache, die voller feinem Wortwitz, Ironie und Ernsthaftigkeit ist, die niemals mit erhobenem Zeigefinger daherkommt. Er ist auch in der Lage, seine Texte auf eine Weise vorzutragen, dass man nicht aufhören möchte zuzuhören. Es mag daran liegen, dass der Roman „Herkunft“, wie Arno van Rijn von der Stadtbibliothek in seinem Gespräch mit Sasa Stanisic bemerkte, „sein persönlichster Roman“ ist. Er müsse sich nicht verstellen, wenn er aus diesem Roman lese, so Stanisic, denn die Figuren seien seine Familie. Anders als in einem Roman wie „Vor dem Fest“, bei dem er sich immer wieder neu in die Protagonisten eindenken müsse. „Herkunft“ ist sein Leben und in ihm ist er präsent.

Das Buch beschreibt Stanisics Welt: seine Geburt im ostbosnischen Visegrad, seine Ankunft in Heidelberg („außer ‚Lothar Mätthaus‘ konnte ich kein Wort Deutsch sprechen“), die Welt seiner Großmutter Christina, die „mir geholfen hat, das Buch zu schreiben“, weil sie ihre Erinnerungen mit dem Enkel teilte. „Heimat“, so fasst Stanisic zusammen, ist eine „Multiweltenerfahrung, die wir miteinander teilen“.

Sein Roman „Vor dem Fest“ ist Schullektüre und Teil der Abiturprüfungen in Hamburg, was ihn, der als „lebender Autor“ mit seinen Lesungen erfolgreich durch Schulen tourt, besonders freut. Unter einem Pseudonym nahm er an einer Abiprüfung teil – und bekam 13 von 15 möglichen Punkten, erzählt der Autor. 

1992 flüchtete er mit seiner Familie nach Heidelberg. An der Universität Heidelberg studierte er Deutsch als Fremdsprache und Slawistik. „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ war sein erster Roman. Mit „Vor dem Fest“ erhielt er 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse. Im März dieses Jahres erschien sein Roman „Herkunft“.

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