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Mönchengladbach: Bernd Schüren gibt den Monolog "Judas" in Kirchen

Kurzkritik : Ein Judas, der nachdenklich macht

„Judas“ heißt die szenische Lesung, mit der der Mönchengladbacher Amateurschauspieler Bernd Schüren auf Tour ist. Sie begann in der Evangelischen Hauptkirche in Rheydt – und bot harte Kost, über die noch nachzudenken sein wird.

2007 wurde der Bühnenmonolog der 1965 geborenen niederländischen Autorin Lot Vekemans in Haarlem uraufgeführt. Denkt man an Judas, denkt man an Verrat. Der Name ist zum Synonym für Treuebruch geworden. Laut Bibel war Judas einer der Jünger Jesu und ermöglichte dessen Festnahme, indem er ihn  gegen 30 Silberlinge gegenüber der Tempelpolizei durch einen Kuss identifizierte. „2000 Jahre hat Judas gelitten unter dem Shitstorm, den die Geschichtsschreibung über ihn hat hinwegfegen lassen. Es wird Zeit, seine Sicht der Dinge darzustellen“, formuliert Schüren das Anliegen des Bühnenmonologs, bei dem Stefan Filipiak Regie führte. 

Vekemans lässt Judas zu Wort kommen, lässt ihn sein Leben, seine politischen Überzeugungen, seine Beziehungen zu Jesus, den er nur „Meister“ nennt, erzählen. Sie lässt ihn zahlreiche Fragen stellen, die sein Leben und seinen Verrat nicht zu rechtfertigen versuchen, aber zu einer neuen Betrachtung führen sollen.

80 Minuten dauert der Kraftakt, den Schüren auf sich nimmt. Sein Vortrag ist lebendig, er spiegelt die Facetten eines Judas wider, der reflektiert, zweifelt, fragt, lacht, weint und wettert. Die Bewegungen sind sparsam, die Mimik ist überzeugend. All die Fragen, die Judas stellt, richtet er direkt an das Publikum – man ist fast versucht, aufzuzeigen und eine Antwort zu geben. Judas macht nachdenklich, wenn er fragt, was geworden wäre, wäre er bei Jesus geblieben. Er stellt in Frage, dass Jesus für die Sünden der Menschheit gestorben ist. „Nicht Jesus, sondern Judas ist für unsere Sünden gestorben“, heißt es bei Vekemans. Und sie wirft eine existentielle Überlegung auf: Wäre das Christentum ohne den Verrat von Judas zu einer der großen Weltreligionen geworden?

Bernd Schüren ist ein weiteres Mal am 10. September, 19 Uhr, in der Martin-Luther-Kirche in Rheindahlen zu Gast.