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Mönchengladbach: Berliner Historikerin spricht über politische Rituale

Vortrag über politische Rituale : Warum die Queen den blauen Hut ablegt

Der Wissenschaftliche Verein hat für Mittwoch die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger aus Berlin zu einem Vortrag über Politische Rituale eingeladen. Was mag denn da wohl dahinterstecken?

Mit Barbara Stollberg-Rilinger zum Thema Rituale zu telefonieren, beginnt mit Begrüßungs-Ritualen: Guten Tag. Schön, dass Sie Zeit finden. Wie ist das Wetter in Berlin? Sowas hilft übers Unvertraute hinweg, zeigt, dass man Umgangsformen kennt und wahrt. Erzeugt Sicherheit. Rituale sind allgegenwärtig in unserem Alltag, stützen, strukturieren den Umgang miteinander. Das war schon immer so.

Was nun aber die in Bergisch-Gladbach geborene Historikerin, die als Professorin für die Geschichte der Frühen Neuzeit seit 1997 an der Uni Münster lehrt und seit September 2018 Rektorin des Wissenschaftskollegs zu Berlin ist, an Ritualen interessiert, ist deren Präsenz im politischen Bereich. Und so heißt ihr Vortrag, zu dem sie für Mittwochabend der Wissenschaftliche Verein ins Haus Erholung eingeladen hat: „Was mittelalterliche Königskrönungen und demokratische Amtseinführungen miteinander gemein haben“.

Da sind wir dann auch schon mitten im Karneval. Denn so ein Veilchendienstagszug ist im Grunde eine Parodie auf den Aufzug eines Kurfürsten im 17. Jahrhundert, wenn der seine Bedeutung bei der Anreise zur anstehenden Königskrönung mit einem schier endlosen Zug von Soldaten und Kutschen öffentlich zur Schau stellt.

Und wie auf dem Alten Markt das Prinzenpaar, so kommt auch der Fürstenwagen zum (krönenden) Abschluss. Die Historikerin, die schwerpunktmäßig zur europäischen Politik-, Verfassungs- und Ideengeschichte der Frühen Neuzeit forscht, interessiert jedoch vor allem das Veränderliche im scheinbar Immergleichen.

Warum etwa die Queen bei der Amtseinführung des Brexit-Parlaments nicht ihren blauen Hut mit den silbernen Sternchen anhatte, obwohl die Zeremonie ansonste nahezu unverändert blieb.

Das hat wohl damit zu tun, dass eine Parallele zur Europa-Flagge fehl am Platze war. Überhaupt findet Stollberg-Rilinger die großen Veränderungen in den westlichen Gesellschaften, wie sie etwa durch die Erfindung des Buchdrucks, die Industrialisierung, die digitale Revolution hervorgerufen werden interessant. An den Ritualen, ihrem Verschwinden, ihrer Funktionsänderung, lasse sich ganz viel verdeutlichen.

Für ihr Fachgebiet sei die Historikerin erst im Studium in Köln entbrannt. Nachdem sie Germanistik, Kunstgeschichte und Geschichte fürs Lehramt mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen hatte, blieb sie an der Uni, promovierte, habilitierte sich nach einer Babypause und wurde eine der angesehensten Fachfrauen in ihrem Gebiet. Alles heute habe seine Entwicklungsgeschichte. Zu wissen, dass alles veränderlich ist, helfe das Heute zu verstehen, sagt sie.

 Das wird die ausgewiesene Kennerin der Materie, die unter anderem 2004 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhielt und Mitglied verschiedener Akademien ist, in ihrem Vortrag für den Wissenschaftlichen Verein ausführlich darlegen. Für tieferes Einsteigen in die Materie sei hier schon einmal ihr neuestes Buch „Rituale“ empfohlen, das gerade seine zweite Auflage erlebt.

 Der Wissenschaftliche Verein besteht seit 1849, hat zurzeit rund 170 Mitglieder und richtet ein umfangreiches Programm aus. Der Vorschlag, Professorin Stollberg-Rilinger einzuladen, kam übrigens vom Vorstandsmitglied Dieter Liewerscheidt.