Mönchengladbach: Bariton Benjamin Hewat-Craw gibt Solokonzert

Konzert in Mönchengladbach : Berührende Wanderung durch Schnee und Eis

Bariton Benjamin Hewat-Craw und sein Pianist Yuhao Guo faszinierten die Besucher des Schlosskonzertes mit Franz Schuberts „Winterreise“.

Endlich stand auf dem Programm der Schlosskonzerte wieder ein veritabler Liederabend, und der voll besetzte Rittersaal strafte alle Unkenrufe Lügen, Sologesang sei beim Publikum nicht mehr gefragt. Krankheitsbedingt hatte Tobias Hänschke leider absagen müssen, doch hatten die Organisatoren einen Studenten und einen Absolventen der Kölner Musikhochschule gefunden, die mehr waren als Ersatz.

Der aus Dorset in Südengland stammende Benjamin Hewat-Craw gehört seit 2015 der Klasse des berühmten Lied-und Oratoriensängers Christoph Prégardien an, dessen sorgfältige Schulung bereits zu beachtlichen Ergebnissen geführt hat. Der blutjunge englische Sänger, bei dem kein britischer Akzent stört und der auf dem besten Weg zu einer vorbildlichen Diktion ist, nennt einen eher lyrischen, ganz ausgeglichenen Bariton mit reicher dynamischer Spannweite sein eigen. So manchen gezügelt-dramatischen Ausbruch hätten die vom ersten Ton an faszinierten Zuhörer dem fast schmächtigen jungen Mann mit den sprechenden Augen nicht zugetraut. Ebenfalls erstaunlich erschien die bis in die letzten Nuancen durchdachte Interpretation, die von fast unmerklichen, aber treffenden Gesten begleitet war.

Der 1992 in Köln geborene Yuhao Guo, der sein Master-Studium bei Nina Tichman 2017 mit Bestnote abschloss und bereits auf honorige Konzertpartner verweisen kann, war seinem Sängerkollegen nicht nur ein brillanter Mitgestalter am Instrument – er erwies sich wahrlich als Poet am Flügel. Jede Schilderung in den durchgehend düsteren Liedern des 1827 - ein Jahr vor Schuberts frühem Tod - entstandenen Zyklus empfand der hoch sensible Pianist mit – das zeigte nicht nur sein einfühlsames, über alle technischen Tücken erhabenes Spiel, sondern auch seine Mimik.

In dieser glücklichen Konstellation erlebte das gebannt lauschende Publikum eine eindrückliche Wiedergabe der unter die Haut gehenden 24 Lieder – die Ausweglosigkeit des einsamen Wanderers, sein Liebesleid, die Scheu vor Begegnungen, die Krähe, die treu mit ihm zieht, die Trostlosigkeit des Totenackers, die Halluzinationen und schließlich -in aller gebotenen Fahlheit - den bettelarmen Leiermann, den der Verzweifelte zum Mitgehen einlädt.

Wie schön wäre es gewesen, wenn, wie es meist geschieht, die Pause nach dem zwölften Lied entfallen wäre. So wurde leider der Spannungsbogen durchbrochen, was diesem Zyklus nicht wohltut. Doch die beiden Musiker brachten das Kunststück fertig, ihr Publikum wieder neu zu fesseln. Das spricht ebenso für ihre Kompetenz und ihre Demut vor Schuberts Meisterwerk wie die Tatsache, dass sie nach dem ausgiebigen und begeisterten Schlussbeifall erklärten, eine Zugabe sei nach diesen ergreifenden Gesängen unpassend.