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Mönchengladbach: Balletttänzer Alessandro Borghesani bei „Während wir warten“

Künstler in Mönchengladbach : „Ich bin im Ballettstudio groß geworden“

Der italienische Tänzer Alessandro Borghesani steht seit über zehn Jahren in Mönchengladbach auf der Bühne und ist als Choreograf tätig. Auch an „Während wir warten“ hat er mitgewirkt. Das Stück feiert am Sonntag in Rheydt Premiere.

Es herrscht große Ruhe im Probensaal der Red Box. Tänzer treten auf, treten ab, die Musik spielt leise. Der Solist des Ballettensembles, Alessandro Borghesani, gibt hier und da seine Anweisungen und Tipps, macht vor, wie er sich Bewegungen vorstellt. Das alles still, mit viel Respekt, Humor und Freundlichkeit. „Ich liebe es, mit meinen Kollegen zu arbeiten. Ich gebe meine Ideen vor, wir arbeiten gemeinsam daran. Sie sind super unterstützend“, sagt Borghesani.

Am Samstag, 18. September, ist die Premiere von „Während wir warten“. Das Warten ist ein Zustand, in dem sich zurzeit eine ganze Gesellschaft zu befinden scheint. Robert North und sein Ensemble haben das Warten zur Grundlage einer Choreografie gemacht. Und nicht nur Ballettdirektor North ist der Choreograf. Auch seine Ensemblemitglieder steuern eigene Ideen bei. Wie Alessandro Borghesani. Der Solist des Ensembles lässt in seiner Szene Kollegen in einer Metro warten. Sie tanzen zu Musik von Led Zeppelin, Massive Attack, Janis Joplin und anderen.

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Alessandro Borghesani stammt aus Italien. Vor 33 Jahren nahe Verona geboren, wuchs er in einer tanzaffinen Familie auf, oder, um es mit Borghesanis Worten zu sagen: „Ich bin im Ballettstudio groß geworden“. Der Vater tanzte im italienischen Fernsehballett und leitete eine Tanzschule, seine Mutter war Fitnesstrainerin und außerdem Vaters Assistentin. Borghesani hatte ein weiteres Talent, das er durchaus zu einem Beruf hätte machen können: das Fußballspielen. Er besaß eine gute Technik. Vor die Wahl gestellt, Fußballprofi oder Tänzer zu werden, entschied er sich letzten Endes für den Tanz. Was in seinem Freundeskreis dann auch niemanden mehr wunderte.

Borghesani ging nach Florenz, wo er von 2007 bis 2009 an der Hamlyn School klassischen Tanz studierte. Den Mönchengladbacher Ballettdirektor Robert North traf der Tänzer während eines Workshops und fragte ihn einfach mal nach einem Job in Mönchengladbach. Robert North, so erinnert sich Borghesani, habe geantwortet, er solle mal vorbeikommen und vortanzen. „Das passiert nicht so oft!“ Gesagt, getan – und den Job bekommen. Seit der Spielzeit 2009/2010 gehört Borghesani zum Ballettensemble des Theaters Krefeld und Mönchengladbach, seit 2014 als Solotänzer.

Was macht ein Balletttänzer, wenn er nicht tanzt? Borghesani schaut Fußball, natürlich. Vor allem die Spiele seines Lieblingsvereins AC Milan. Aber die Spiele der Borussen stehen natürlich auch ganz oben auf seiner Liste. Was er noch gerne macht: Musik hören und Gitarre spielen – Rockmusik vor allem. Kochen. Und mit Freunden Brettspiele spielen. „Ich bin auch ein Nerd“, sagt Borghesani und lacht.

Wenn keine Aufführungen sind, ist sein Berufsalltag, zumindest, was die Arbeitszeiten angeht, einem klassischen Bürojob nicht unähnlich. Um 10 Uhr gehen die Proben los und dauern, unterbrochen von einer Mittagspause, bis 17.30 Uhr. Ein wenig anders ist der Tagesablauf, wenn abends Vorstellungen sind.

So liegt es ein wenig in der Natur des Berufes, das die Kollegen auch Borghesanis Freunde sind. Seine Lebensgefährtin, die aus den Niederlanden stammende Solotänzerin Irene van Dijk, ist auch auf der Bühne immer mal wieder seine Partnerin. Borghesani wird bald 34 Jahre jung. Er nennt das „alt“. Mit Glück habe er noch sechs, sieben Jahre – dann sei erfahrungsgemäß die Zeit als Profitänzer vorüber. Und dann? Er ist zuversichtlich: „Wenn ich einen Job brauche, finde ich einen.“ Wobei: der „Job“, den er gerade macht, das ist weit mehr als ein Job. „Das ist mein Leben.“