Mönchengladbach: Autor Carsten Steenbergen hat ein neues Buch geschrieben

Mönchengladbach : Zwei Autoren schmähen sich mit Wutbriefen

Der Mönchengladbacher Schriftsteller Carsten Steenbergen hat mit seinem Leipziger Kollegen Christian von Aster ein aberwitziges Buch geschrieben. Freunde skurrilen Humors werden es lieben.

Bernt Klötzke und Timo von Spitz sind zwei in die Jahre gekommene Autoren. Sie mögen sich nicht, schreiben sich dennoch unermüdlich Briefe. Diese allerdings lassen bereits in der jeweiligen Anrede erkennen, dass tiefe Abneigung die Schreibenden leitet. Bernt Klötzke beispielsweise schreibt: „Herr Spitz (etwaige dieser Anrede vorangestellte Adjektive halte ich aufgrund Ihrer schriftstellerischen Qualität für unangebracht)“. Die Reaktion folgt postwendend: „Vorerst sehr geehrter Herr Klötzke“, schreibt Spitz, der sich mit „Ihr Timo VON Spitz“ und „dem Wunsch, meine kostbare Zeit für mich behalten zu dürfen“ von seinem Brieffeind verabschiedet.

Es ist ein wahnwitziger Briefwechsel, den die Autoren Christian von Aster aus Leipzig und der Mönchengladbacher Carsten Steenbergen erdacht und niedergeschrieben haben. „Die Wutbriefe“ heißt der Band, der soeben im Saarbrücker Independent-Verlag „The Dandy is Dead“ erschienen ist. „Christian und ich sind uns auf Buchmessen und bei Lesungen begegnet“, sagt der Mönchengladbacher Schriftsteller Carsten Steenbergen. „Und gelegentlich verstrickten wir uns in Dialoge.“ Daraus entstand irgendwann die Idee zu den total abgedrehten Wutbriefen. Christian von Aster wird zu Bernt Klötzke, Carsten Steenbergen zu Timo von Spitz.

Bernt Klötzke hat die Kinderbuchklassiker „Ferdi lernt lesen“ und „Ferdi lernt Fahrrad fahren“ geschrieben. Seine Geschichten über den frechen Gecko Ferdinand wurden in sechs Sprachen und 17 Dialekte übersetzt. Weshalb der Autor als männliche Astrid Lindgren der Lurchliteratur gehandelt wird. Timo von Spitz wurde durch seine Science-Fiction-Titel wie „Der Untergang von Andromeda XVII“ und „Das Milchstraßenmassaker“ bekannt. Seine Geschichten waren ihrer Zeit so weit voraus, dass sie in unangebracht überschaubaren Auflagen erschienen und vom Publikum weitgehend ignoriert worden sind. Der finanzielle Durchbruch blieb Timo von Spitz verwehrt. Er landete in der Damenhygieneartikelfabrik seines ehemaligen Schwagers. Beide – Klötzke und von Spitz – verschwanden plötzlich aus der Öffentlichkeit.

So wird die Geschichte der beiden Autoren und Briefeschreiber in der Einleitung des Buches erzählt. Aber möglicherweise sollten die Leser bereits an dieser Stelle das beherzigen,was Steenbergen und von Aster im Text auf der Rückseite des Buches postulieren: „Sie wurden gewarnt.“ Ja, man sollte sich auf allerlei Skurriles gefasst machen. Gewiss ist allerdings, Freunde des abstrusen Witzes werden auf ihre Kosten kommen. Voll sogar.

Da geht es etwa um das Petersilien-Debakel, beziehungsweise die Sache in Tangar, die beinahe eine Krieg zwischen Spanien und Marokko auslöst, um ein Muttermal in Form einer Nacktnasenwombathinterpfote, um die gestärkte Donnerstags-Unterhose, die einfach unauffindbar ist. Zwischendurch meldet sich auch Mammilein zu Wort und der ominöse „Pips der Pilz“, der eine handschriftliche Notiz mit der ordinären Drohung „Ich leg dich um, du kleiner Pisser“ hinterlässt.

Die Begeisterung für Literatur entwickelte sich bei Carsten Steenbergen schon früh. Er wurde zum Vielleser. Dann kam der unbändige Drang hinzu, selbst spannende Abenteuer zu verfassen. Seitdem publiziert er Romane, Kurzgeschichten und Hörspiele. Auch die „Wutbriefe gibt es als Hörbuch. In der Audi-Version spricht Carsten Steenbergen den Timo von Spitz, und Christian von Aster den Bernt Klötzke.Und seien Sie versichert: Sowohl das Lesen des Buches als auch das Hören der CD bereitet ein unfassbar schräges Vergnügen. Und man fragt sich: „Wie kommen die beiden auf derart verrücktes Zeug?“

Mehr von RP ONLINE