Mönchengladbach: Ausstellung zeigt Kultur der Nachkriegsjahre in Gladbach und Rheydt

Ausstellung im Museum Schloss Rheydt : Kultur-Knospen in den Hungerjahren

Eine Ausstellung zum Kriegsende im Museum Schloss Rheydt zeichnet speziell den kulturellen Neustart in Mönchengladbach nach.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Auf kaum eine Zeitspanne trifft diese Binsenweisheit in so hohem Maße zu wie auf die Nachkriegsjahre. Darauf macht ab dem morgigen Sonntag die Ausstellung „75 Jahre Kriegsende“ im Museum Schloss Rheydt aufmerksam. Zu sehen sind Exponate, Schriftdokumente und Fotos, die meisten hat das Stadtarchiv zur Verfügung gestellt. Romina Westphal, wissenschaftliche Volontärin am Schlossmuseum, hat die Pilot-Präsentation, die bis 14. Juni als erste in der neu hergerichteten Vorburg zu sehen ist, zusammengestellt. Museumsdirektor Karlheinz Wiegmann hatte die Idee zu dem Projekt, das Rückschau auf die frühen Nachkriegsjahre in Rheydt und Mönchengladbach hält. Er sagt: „Wir haben festgestellt, dass der Hunger nach freier, von der NS-Ideologie unbelasteter Kultur in jenen Jahren der ungeheuren Entbehrungen, die die Menschen erleben mussten, überraschend groß war.“

Zur lokalpolitischen Lage In Gladbach wurde bereits Wochen vor der Kapitulation Deutschlands der von den Nazis verfolgte ehemalige Krefelder Polizeipräsident Wilhelm Elfes von den Amerikanern als Oberbürgermeister eingesetzt, in Rheydt hievten die Briten Carl Marcus, wie Elfes Mitglied der neuen Partei CDU, ins Oberbürgermeister-Amt. Die Spielhäuser des Theaters Mönchengladbach/Rheydt, die Kaiser-Friedrich-Halle und die Stadthalle Rheydt, waren nicht zerstört worden, daher konnte – unter Intendant Fritz Kranz – bereits 1946 der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. In der Ausstellung hängt ein Plakat, das für die Sommerspiele Schloss Rheydt 1952 wirbt, auf dem Programm stand unter anderem Shakespeares „Sommernachtstraum“.
Erste Ausstellungen in den Museen „Bestrebungen zur Neubelebung des kulturellen Lebens gab es schon kurze Zeit nach Ende des Weltkriegs“, sagt Kuratorin Romina Westphal. Im Haus Mozartstraße 14, das damals die Bestände der städtischen Kunstsammlung beherbergte, war im Oktober 1946 eine Ausstellung mit französischer Kunst zu sehen. Das Rheydter Museum zeigte 1946 als erste Kunstausstellung nach dem Zusammenbruch „Mittelalterliche Kunst am Niederrhein“; 1947 folgte die Schau „Römisches Rheinland“.

Neue Stadtplanung Der Architekt Alfons Leitl (1909-1975) wurde 1945 in den Sonderausschuss „Wiederaufbau zerstörter Städte“ berufen. 1948 legte er für die selbstständige Stadt Rheydt einen „Flächenaufteilungsplan“ vor, der in der Ausstellung in Originalgröße zu sehen ist. Viele Häuser, die gemäß dem Leitl-Plan in Rheydt entstanden, darunter das Kaufhaus Kalderoni, stehen unter Denkmalschutz und so für eine bedeutsame Epoche städtischer Architektur. „In Mönchengladbach waren nach dem Krieg 43 Prozent der Wohnhäuser zerstört oder schwer beschädigt“, weiß Romina Westphal.

Filmische Dokumentation Kuratorin Westphal hat aus Material des Stadtarchivs einen aufschlussreichen, zwölf Minuten langen Dokumentarfilm über die Nachkriegsjahre in Gladbach und Rheydt erstellt. Er wurde, wie die ganze Ausstellung, von der Stiftung Geschichte des Raumes Peel-Maas-Niers gefördert.

Was sonst noch zu sehen ist Es gibt Fotos mit Szenen vom Schwarzmarkt nahe dem Hauptbahnhof Gladbach, Schlange stehende Menschen vor Geschäften. Spektakulär wirkt eine Fotografie vom 5. März 1945, die einen jüdischen Gottesdienst im Rittersaal des Rheydter Schlosses zeigt. Die Zeremonie begibt sich vor einem riesigen Hakenkreuz.