Mönchengladbach: Ausstellung über die Mütter des Grundgesetzes in der Citykirche

Ausstellung in Mönchengladbach : Appell im Namen der Gleichberechtigung

Vier Frauen waren an der Ausarbeitung des Grundgesetzes beteiligt. Die Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“ in der City-Kirche stellt sie vor. Zur Vernissage sprachen Monika Bartsch und Hildegard Wester über Frauen in der Politik.

Monika Bartsch war die erste Oberbürgermeisterin der Stadt, Hildegard Wester die erste Bundestagsabgeordnete aus Mönchengladbach. Dennoch fühlten sich beide in ihren Ämtern nicht als Pionierinnen. Das betonten sie in der City-Kirche zur Vernissage der Ausstellung „Mütter des Grundgesetztes“. Die Präsentation würdigt Elisabeth Selbert, Helene Weber, Frieda Nadig und Helene Wessel. Es ist ihr Verdienst, dass der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in den Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes aufgenommen wurde. In der Ausstellung ist Wessel zitiert mit ihrem 1930 formulierten Anspruch: „Frauen müssen sich in die staatsbürgerlichen Aufgaben bewusst und freudig einmischen“.

Zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes holten die Gleichstellungstelle der Stadt, das katholische Forum für Erwachsene und Familienbildung, die Frauenseelsorge Mönchengladbach und der Regionalverband der kfd die Ausstellung in einer Kooperation nach Mönchengladbach. Dazu organisierten die Initiatorinnen Ingrid Scholz, Liesel Welters, Marion Höver-Battermann, Lucia Traut und Monika Hensen-Busch ein Begleitprogramm mit Vorträgen, Filmvorführung und FrauenGottes-Fest. „Das Programm stellt den Bezug zu heute her. Wir wollen auch sehen, was hat sich entwickelt, wie ist die Situation. Dabei konnten wir nicht voraussehen, wie hochaktuell das Thema gerade jetzt in der Kirche ist mit der Aktion 'Maria 2.0'“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte Hensen-Busch.

Zur Vernissage moderierte kfd-Bundesgeschäftsführerin Brigitte Vielhaus das Gespräch mit Monika Bartsch und Hildegard Wester zum Thema „Frauen in der Politik“. Wester berichtete, dass sich unter den Frauen ein Gefühl der Solidarität entwickelte, das sie parteiübergreifend agieren ließ. „Die Frauen haben die Grenzen der Fraktionen aufgemischt“, so Wester. Deren Erfolg habe sich im männlichen Verhalten gespiegelt, das nicht immer wohlwollend gewesen sei. Als die wichtigsten Themen während ihrer Bundestagsarbeit nannte Wester das Bundeserziehungsgeldgesetz und die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe.

Auf Kommunalebene seien solche Themen nicht verhandelt worden, stellte Bartsch fest. „Hier in der Stadt ging es darum, Entwicklung zu machen.“ Der Nordpark sei eine hochinteressante und schwierige Aufgabe gewesen. Als besondere Herausforderung nannte die frühere Oberbürgermeisterin die seinerzeit neue Doppelspitze von Repräsentation und Verwaltungschefin. Sie betonte, es sei ihr wichtig gewesen, dass die Familie die Aufgabe mitgetragen habe. „Ich hätte es nicht gemacht, wenn die Kinder noch klein gewesen wären. Mein Selbstverständnis sagt mir, dass ich Kinder nicht in die Welt setze und sie dann allein lasse. Andere können damit besser umgehen. Man muss Frauen hierbei die Freiheit lassen. Dafür muss Politik sorgen,“ so Bartsch.

Sie und Wester stimmten Brigitte Vielhaus' Beobachtung zu, dass die politische Beteiligung von Frauen rückläufig sei. Diese Entwicklung sei vielleicht damit zu erklären, dass heute auch Frauen an ihrer Karriere arbeiten. Da sei der Spagat Familie, Beruf und Politik noch schwieriger zu gestalten, meint Hildegard Wester.

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