1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach
  4. Kultur

Mönchengladbach: Ausstellung "Mythos Bökelberg" im Museum Schloss Rheydt

Ausstellung im Museum Schloss Rheydt : Wie aus der Kull der Bökelberg wurde

Die neue Ausstellung im Museum Schloss Rheydt beschäftigt sich mit dem Mythos Bökelberg. Mit einem Ort, der sagenumwoben ist und über den sich phantastische Geschichten erzählen lassen. Genau das geschieht in der Schau.

Der Westfale und bekennende Schalke-Fan Karlheinz Wiegmann gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er vom Mythos Bökelberg spricht. „Der Bökelberg war nie das, was er zu sein schien, und er hat nie das getan, was er tun sollte“, sagt der Direktor des Museums Schloss Rheydt. Allein schon der Name. Das Stadion liegt mitnichten auf einem Berg und schon gar nicht auf dem Bökel, denn auf der Anhöhe dieses Namens steht die Kaiser-Friedrich-Halle. „Das Stadion wurde inmitten eines Wohngebiets in einer ehemaligen Kiesgrube gebaut.“ Der Ursprungsname für das Stadion lautete deshalb folgerichtig „De Kull“ (Das Loch).

Das Stadion wurde 1919 in der Grube eröffnet, es bestand aus dem Spielfeld, den Rängen und einer Mauer drumherum. „Wenn es regnete, rutschten die Hänge ab“, hat Wiegmann recherchiert. Die Eröffnung wurde übrigens gemeinsam mit den Turnern gefeiert. Die betrieben ihren Sport als Ertüchtigung fürs Vaterland. Sport zu betreiben, um zu gewinnen, das war den Turnern absolut wesensfremd. Die Liaison hielt dann auch nicht lange. Schon 1921 trennten sich die Wege von Borussia und der Turnerschaft. Da passte einfach nichts zusammen.

Die Ausstellung in der Vorburg von Schloss Rheydt widmet sich dem Mythos Bökelberg. Es geht nicht vorrangig um die großen Erfolge, um herausragende Spieler oder Spiele, sondern tatsächlich um das Stadion. „Das seinen eigenen Kopf hatte und immer genau das tat, was es wollte“, sagt Wiegmann schmunzelnd. Beispielsweise weigerte es sich aufzugeben, als es gesprengt werden sollte. Das war am 7. März 2006. Der Sprengmeister hatte die Westtribüne präpariert, es krachte gewaltig, die Tribüne brach tosend zusammen. Und als die Staubwolke sich gelegt hatte, bot sich den Zuschauern ein groteskes Bild: Das Dach, das mit Stahlseilen an den Flutlichtmasten befestigt war, schwebte über dem Trümmerhaufen. „Ein letztes Mal entzog sich der Bökelberg der Welt des Rationalen“, sagt Wiegmann.

Diese und ganz viele andere sagenhafte und phantastische Geschichten werden in der Ausstellung in Bild, Text und Film erzählt. Original Ersatzbänke vom Bökelberg stehen bereit, von den unbequemen, harten Sitzen lassen sich die Filmeinspielungen stilecht betrachten. Netzer, Vogts & Co. tauchen selbstverständlich auf, der Büchsenwurf natürlich und auch der gebrochene Torpfosten.

Und selbstverständlich Hennes Weisweiler. Dass ausgerechnet ein Kölner die Mönchengladbacher Mannschaft als Fohlenelf zum Erfolg führt, ist angesichts der historischen und ungebrochenen Feindschaft zwischen den beiden Städten auch im Nachhinein unglaublich. „Aber auch das macht den Mythos dieses besonderen Ortes aus.“ Den Namen Bökelberg hat übrigens ein Journalist in den 1960ern erfunden, als es mit der Gladbacher Elf bergauf ging. „Er fand die Bezeichnung Kull nicht passend“, sagt Karlheinz Wiegman. Bökelberg klang ähnlich wie Betzenberg. Also – gebongt!

Es gibt übrigens eine gleichnamige App für die Ausstellung „Mythos Bökelberg“. Bis Sonntag sollte sie zum kostenlosen Laden bereitstehen. Sobald die App gestartet ist und das Smartphone an gekennzeichneten Punkten in der Präsentation auf ein Bild gehalten wird, erklärt der Sportreporter Tobias Wessler die Geschichte, die dort erzählt wird. „Sollte sich diese Methode bewähren, werden wir sie zukünftig einsetzen“, sagt Wiegmann.