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Mönchengladbach: Ausstellung mit Trump und Kollegah

Ausstellung : Denkanstöße im Projektraum EA71

Donald Trump, der einem unangenehm nahe kommt, Rapper, die Menschenverachtendes verbreiten, und andere Selbstinszenierer. Die Werke der Künstlerinnen Menia und Maria-Antonia Bußhoff bohren in Wunden der Gesellschaft.

Es ist keine leichte, aber notwendige Kost, die den Besucher der aktuellen Ausstellung im Projektraum EA71 erwartet. „Denkanstöße“ haben die Künstlerinnen Menia und Maria-Antonia Bußhoff ihre Präsentation genannt. Menia nimmt sich Donald Trump vor. „Eure Majestät“ nennt sie das großformatige Bild, das dem Betrachter unangenehm nahe kommt – wie könnte es bei diesem Motiv auch anders sein. Das klassische Herrscherbildnis wird persifliert: Trump sitzt auf einem goldenen Thron, der auf einer flachen Weltkarte steht. Die Welt wird von Trump mit Füßen getreten. Das Zepter ist durch den Golfschläger ersetzt, ein Vogel, keine Friedenstaube, sondern das Symbol für Twitter, Trumps bevorzugte Kommunikationsform, erleichtert sich auf Trumps Anzug. Die amerikanische Flagge im Hintergrund – welche Blasphemie – denn die Flagge ist unantastbar, trägt keine Sterne, sondern Kreuze. Und Trump: Der kriegt nichts mit, grinst lediglich selbstgefällig. Kein weiterer Kommentar notwendig.

„Influencer“ heißt eine weitere Arbeit von Menia. Im Stil fast naiv und bunt, behandelt sie ein wichtiges gesellschaftliches Thema. Influencer sind Menschen, die aufgrund ihrer Präsenz in den sozialen Netzwerken für Vermarkung und Meinungsbeeinflussung in Frage kommen. Menias „Influencer“ ist halb Mann, halb Frau, läuft halb bekleidet und mit dem Horn eines Einhorns durch eine Art exotische Landschaft. Der Blick aufs Tablet bestätigt den Influencer: „gorgeous“ kann man dort lesen, also großartig oder sagenhaft. Selbstinszenierung, die virtuelle Welt, Realitätsverlust – das Bild assoziiert hochkomplexe Inhalte.

Auf Aktuelles bezieht sich auch Maria-Antonia Bußhoff. „/“mache wieder mal  ´nen Holocaust“ (Kollegah)/? Gegen Antisemitismus“ heißt eines ihrer beiden Triptychen. Maria-Antonia Bußhoffs Malweise vertieft das Thema: Auf heller Leinwand erscheinen wie ausgeschnitten und malerisch eincollagiert die Menschen grau in grau oder ganz in fleischfarben. Sie wirken wie erstarrt. Der Titel der Arbeit bezieht sich auf den antisemitischen Rap mit menschenverachtendem Inhalt, der lange in der Diskussion war. Millionen von Menschen haben das Lied abgespielt. Im unteren Teil des Bildes bezieht sich Bußhoff auf die Internetpräsenz: Die Form eines Smartphones zeigt dichtgedrängt rotfarbige Selfies, vor denen sich fechtende Juden bewegen. Zwar zeigen diese sich damit wehrhaft, wie Bußhoff es beschreibt, doch zugleich auch wehrlos angesichts der hämisch grinsenden Menschenmassen. Im oberen Bildteil malt Bußhoff nach Fotografien jüdische Kinder und Jugendliche, Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.

Mit der dunklen deutschen Vergangenheit beschäftigt sich auch das Triptychon  „/“Followers“/? Für selbstbestimmtes Denken und Handeln. Vom oberen Bildteil aus wird in die beiden unteren Bildelemente hinein ein Marionettentheater aufgeführt. Aus der Vergangenheit heraus reichen die Fäden der längst verstorbenen Politiker in die Gegenwart, lenken und leiten die Menschen. Die Lenker sind Schattengestalten, deren Kopfe wie verrutscht erscheinen und dadurch zur Maske werden.

 Die Arbeiten im Projektraum EA71 auf der Eickener Straße 71 sind noch am kommenden Wochenende in der Zeit von 12 bis 16 Uhr zu besichtigen.