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Mönchengladbach: Ausstellung in der Citykirche

Mönchengladbach : Ausstellung gegen Schubladen-Denken

Die Künstlerin Meike Hahnraths ist eine Kämpferin gegen Vorurteile. Sie lässt sogenannte normale und behinderte Menschen perfekt stylen und fotografiert sie. Jetzt zeigt sie eine große Auswahl ihrer Bilder in der Citykirche.

Ihre Fotos haben es bis in den hohen Norden geschafft. Anfang des Jahres wurde das „Schubladen-Projekt“ im Schlossmuseum in Jever gezeigt. Vorher machte die Ausstellung bereits Station in Essen, Langenfeld, Euskirchen und Köln. Und im Frühsommer vergangenen Jahres gab es eine kleine, aber feine Präsentation in der Kunstkapelle der LVR-Klinik in Rheydt. Nun bekommt die Mönchengladbacher Fotografin Meike Hahnraths die Gelegenheit, ihre Arbeit einer ganz großen Öffentlichkeit in ihrer Heimatstadt vorzustellen. Vom 5. September bis 20. Oktober wird sie ihre beeindruckenden Fotografien von „ganz normalen“ Menschen, von Menschen mit Behinderungen, von Menschen, die im Frauenhaus Schutz suchen, zeigen.

Ihre These: „Wir fällen oft vorschnell Urteile über andere Menschen – etwa aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Herkunft. Beim ersten Blick nehmen wir nur einzelne Facetten wahr, und unser Gehirn legt Eindrücke sofort in einer Schublade ab. Dieser Blick auf die Mitmenschen ist aber immer verkürzt, oftmals auch verletzend und diskriminierend. Menschen sind immer mehr als die Schublade, in die wir sie stecken.“

Indem sie sie von einer Stylistin schminken und von einem Friseur zurechtmachen lässt, zeigt die Fotografin Meike Hahnraths immer die Schokoladenseiten ihrer Models. Die Bilder verraten nichts über deren Profession oder den gesundheitlichen Zustand. Gern lässt sie die Betrachter raten, um welche Art von Mensch es sich bei dem Porträtierten handelt. 2015 hat Meike Hahnraths ihr Schubladen-Projekt gestartet. Sie ist in Frauenhäuser gegangen, in Behinderteneinrichtungen, sie hat Menschen fotografiert, die sich auf ihren Aufruf gemeldet hatten. Sie hat Frauen und Männer unterschiedlichster Art vor ihre Kamera geholt. 152 Porträts sind neulich in einem Buch erschienen, das sie selbst gestaltet hat.

Auf die Citykirche freut sich die Künstlerin besonders. Jeweils zwei riesengroße Fotoabzüge werden seitlich vom Altar hängen. Und auf oktogonalen Stellwänden, die um die Säulen herum aufgebaut werden, wird die Fotografin etwa 40 kleinere Formate zeigen.Während der Dauer der Ausstellung gibt es ein großes Rahmenprogramm.

Meike Hahnraths bietet mehrere Führungen – öffentlich sowie für Schulklassen – an. Es gibt das Kabarett „Däumchen drehen“ mit Rainer Schmidt aus Bonn, einen Vortrag des Sozialpsychologen Jens Förster von der Uni Bochum, der Gladbacher Salon wird zu Gast in der Ausstellung sein, im Rahmen der Interkulturellen Woche gibt’s ein Werkstattgespräch. Die Fotografin bietet ein Schubladen-Schreib-Atelier im Haus der Regionen an, ein Samstagsgespräch mit dem Theologen Wilhelm Bruners beschäftigt sich mit dem Thema „Vorurteile in der Bibel“. Der Verein Kulturkram bietet einen Kreativ-Workshop an, die Psychologin Beate Küpper von der Hochschule Niederrhein klärt Zusammenhänge zwischen Vorurteilen und Religion. Und dann tritt (am 12. Oktober) der Jazzchor unter der Leitung von Andrea Kaiser und mit Manfred Heinen am Klavier auf. Ein Riesen-Programm – und spannend.

Informationen über Meike Hahnraths, ihr Projekt, ihr Buch, ihre Ausstellungen und das Projekt in der Citykirche sowie das Rahmenprogramm auf www.schubladen.online