Ärzte klären auf in Mönchengladbach Ausstellung rückt Gefahren der Atomindustrie ins Bewusstsein

Mönchengladbach · Die Ärzteorganisation IPPNW stellt in der Galerie „Zwischenraum“ zum Thema „Hibakusha weltweit“ aus. Auf 50 Plakaten werden Gefahren der zivilen und militärischen Nutzung von Atomindustrie dargestellt.

Die Ärzte Günter Rexilius (r.) und Rolf Huneus und auch Klaus Schimanksi (nicht im Bild) wechseln sich bei der Betreung der Ausstellung „Hibakusha“ ab.

Die Ärzte Günter Rexilius (r.) und Rolf Huneus und auch Klaus Schimanksi (nicht im Bild) wechseln sich bei der Betreung der Ausstellung „Hibakusha“ ab.

Foto: Markus Rick (rick)

Zum Thema Atomenergie ergeben sich für Klaus Schimanski viele Fragen: Wie und wohin sollten beim Reaktorunglück zigtausende Menschen evakuiert werden? Wem sollte geholfen werden von Ärzten, die gleichermaßen betroffen wären? „Strahlung lässt sich nicht abschalten“, sagt der Allgemeinmediziner. Er ist Mitglied der Ärzteorganisation IPPNW - „International Physicans for the Prevention of Nuclear War“ (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs). Die Mitglieder der Regionalgruppe Mönchengladbach - Viersen stellen bis zum Nagasaki-Gedenktag am 9. August in der Galerie „Zwischenraum“ (Hauptstraße 59) 50 Poster zum Thema „Hibakusha weltweit“ aus. Gezeigt werden Gesundheits- und Umweltfolgen der „Nuklearen Kette“ mit Uranbergbau und -anreicherung, zivilen und militärischen Atomunfälle, Atomwaffentests, Atombombenangriffen, Atommüll.

In Japan werden mit „hibakusha“ (Explosionsopfer) die Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 bezeichnet. Aber auch Betroffene der Atomwaffentests im Pazifik, in Nevada und anderen Testarealen weltweit sowie Betroffene der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 nennen sich so, erklärt der Arzt.  

Da sowohl Atomwaffen als auch Atomkraftwerke Uran benötigen, ist dem Uranbergbau viel Platz eingeräumt. Ein Plakat informiert über Folgen und Gefahren am Beispiel von Niger, drittgrößer Produzent des Waffen- und Energierohstoffs Uran und zugleich Land mit einem der niedrigsten Entwicklungsstände weltweit. In Minenstädten würden gefährliche Dosen von Radioaktivität gemessen, die zu erhöhten Krebsraten führten, informiert der Text über unsichtbare Gefahren eines lukrativen Geschäfts.  Im gleichen Raum ist zu lesen, dass im sächsischen Erzgebirge und in Ostthüringen von der Sowjetischen Deutschen Aktiengesellschaft von 1946 bis 1990 Uranerz gefördert wurde. Laut Angaben leiden Tausende Arbeiter und Bewohner der Region bis heute an strahleninduzierten Erkrankungen wie Lungenkrebs.

Erinnert wird an den Reaktorunfall in Tschernobyl oder den über Jahre geheim gehaltenen Unfall eines sowjetischen Atom-U-Bootes in der Chasma-Bucht. Menschen wurden verstrahlt, das Meer und umliegendes Terrain nachhaltig verseucht. „Wenn Strahlung zu groß ist, wird die Schilddrüse angegriffen. Dann kann man auf den Schilddrüsenkrebs warten“, sagt der Mediziner. Er betont die Komplexität des Themas, auch in Verbindung mit der nuklearen Teilhabe innerhalb der Abschreckungspolitik der Nato. „Mit der Luftzirkulation geht Strahlung um die ganze Welt“, sagt der Arzt. Er betont das Ziel, Bewusstsein zu schaffen, um vielleicht doch etwas bewegen zu können.

Info Öffnungszeiten bis 9. August, Di, Do, Fr 14 - 18 Uhr, Mi, Sa von 10 - 18 Uhr.