Mönchengladbach: Ausstellung "Burn it!" im Rudolf-Boetzelen-Silo

Ausstellung „Burn it!“ : Bei der neuen Ausstellung des Kunstvereins MMIII geht es heiß her

Es riecht angekokelt. Und ein wenig nach zu lange gebackenem Brot. „Burn it!“ heißt die neue Ausstellung im Rudolf-Boetzelen-Silo des Kunstvereins MMIII, die heute eröffnet wird. Versprochen: Es geht heiß her.

Nicht erschrecken: Der erste Mensch, dem der Besucher in der Ausstellungshalle begegnet, ist gar kein Mensch. Es ist ein aus Brotteig (zu lange) gebackenes lebensgroßes Abbild des italienischen Künstlers Matteo Lucca. Und der hat sich gleich auch noch eine passende Frau gebacken. In einigem Abstand steht sie ihm gegenüber. Ebenfalls ziemlich schwarz an einigen Stellen. Irgendwann werden die Brotmenschen anfangen, sich zu verändern. Brotkrumen werden bröckeln, kleine gefräßige Tiere sich ans Werk machen. Das will der Künstler so. Genau darum geht es ihm – um Verletzbarkeit, Vergänglichkeit, Tod. „Matteo Lucca hat sich einen Erdofen gebaut, um darin seine Figuren zu backen“, sagt Wilko Austermann. Der Kurator hat die Künstler und die Kunstwerke ausgewählt, die ab heute in der Ausstellung „Burn it!“ im Rudolf-Boetzelen-Silo des Kunstvereins MMIII zu sehen sind.

Der Geruch ist überall. Angekokeltes Holz verströmt ihn von der Galerie durch die ganze Halle. Gereon Krebber hat sieben unterschiedlich hohe Türme aus Holz gebaut und sie dann angezündet. Das Feuer hat in ihrem Inneren wie in einem Kamin gewütet. Rabenschwarz stehen sie da wie stumme Wächter.Oder zerstörte Architektur. Wuchtig, dunkel, beängstigend. Krebber, 1973 in Oberhausen geboren, hat begehbare Räume aus verbrannten Holzfragmenten geschaffen. Die neuen Arbeiten, die er beim Kunstverein zeigt, lassen den Menschen nicht hinein – allenfalls seinen Blick.

Klaus Schmitt vom Kunstverein fühlt sich angesichts der Wandarbeit von Anna Betbeze an ein Bärenfell erinnert. „Sieht aus, als sei er von Kugeln durchlöchert worden“, sagt er. Irgendwie ja. Aber es waren keine Kugeln, die den langflorigen Teppich, den die amerikanische Künstlerin mit viel Farbe bearbeitet hat. Es waren glühende Kohlen. Auf der weißen Wand hängend, leuchten die ausgebrannten Stellen wie Augen. Oder wie klaffende Wunden. Sehen Sie selbst.

Michael Sailstorfer zeigt ein Video. Ein ziemlich skurriles. Zu sehen ist ein einsames Holzhüttchen auf einer Wiese. Aus dem Schornstein qualmt es mächtig. Und dann verschwindet immer mehr von der Holzarchitektur, bis nur noch der Ofen mit seinem Rohr übrig ist. „Der Künstler hat das Haus nach und nach zerlegt und das Holz in den Ofen geworfen“, erklärt Wilko Austermann. Er hat sich selbst aus der Filmsequenz herausgeschnitten, so dass der Vorgang sehr mysteriös erscheint. Wer sich genau umsieht, wird eine zweite Arbeit Sailstorfers entdecken: Die Mündung eines Revolvers scheint sich aus der weißen Wand zu schieben. Es ist eine P 99, eine Feuerwaffe, die James Bond gern benutzte. Der Lauf ist in Augenhöhe auf den Betrachter gerichtet.

Wie Landschaften wirken die beiden großformatigen Wandreliefs von Christian Seidler. Es sind Styroporplatten, die der Künstler mit Feuer kontrolliert bearbeitet hat. Die farbige Fassung erschafft vermeintliche Mond- oder Gebirgslandschaften. Ohne Zweifel hat das Abfackeln des Materials unangenehme Dämpfe hervorgebracht. Die sind verschwunden, die Reliefs riechen neutral.

Zwischen all diesen doch recht wuchtigen Arbeiten, kommt ein Werk ganz ruhig daher. Maren Maurer hat zwei Hände aus Wachs geformt und diese miteinander verschlungen. Still halten sie sich, drapiert auf einem kuscheligen Stück Stoff. Ein Docht ragt heraus. „Der wird zur Ausstellungseröffnung angezündet“, sagt Austermann.

Und dann sind da noch ganz feine Arbeiten, die sich dennoch in der großen Halle behaupten. Lennart Lahuis hat politisch interpretierbare Fotos mit Feuer bearbeitet und wieder zusammengefügt. Und Thomas Wachholz hat eine Linie gezogen, die aus dem Material bestehen, aus dem die Reibflächen auf Streichholzschachteln gemacht sind. Und dann hat er gezündelt.

MMIII, Künkelstraße 125, Eröffnung Samstag um 19.30 Uhr

(isch)
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