Mönchengladbach: Aus dem „Chapaeu Claque“ wird das „Chapeau Kultur“

Bahnhofstraße in Mönchengladbach: Aus dem „Chapaeu Claque“ wird das „Chapeau Kultur“

Aus dem ehemaligen „Chapeau Claque“ an der Bahnhofstraße wird „Chapeau Kultur“.

Ja, vielleicht ist Kultur das Zaubermittel, das die Rheydter Innenstadt, in diesem Fall das vom Niedergang besonders betroffene Viertel an der Bahnhofstraße, zu neuem Leben erweckt. An Ambition, Begeisterung und gutem Willen fehlt es jedenfalls nicht bei dem Projekt, das am kommenden Freitag im ehemaligen Chapeau Claque aus der Taufe gehoben wird. Hier, wo vor wenigen Jahren noch mit immensem finanziellem Aufwand Straßen und Pflaster erneuert wurden, verschandelt seit gefühlt Jahrzehnten eine Hotel-Ruine den kleinen Platz, an dem nacheinander das Café Sonnenblume und vor zwei Jahren das Bistro mit attraktiver Außengastronomie dichtmachen mussten. Jetzt beleben unter der Obhut der SKM, die im Auftrag der Stadt die Quartiersarbeit in der Rheydter Innenstadt managt, Kulturtreibende, Sozial- und Integrationsvereine den Leerstand. Für zunächst ein Jahr, so sind die Verträge mit Besitzer Dieter Langen Liegenschaften, heißt das zum Platz hin rundumverglaste Bistro „Chapeau Kultur“.

Im Rahmen des von diversen Institutionen geförderten Stadtentwicklungskonzepts „Soziale Stadt Rheydt“ hat der SKM, der mit seinen sozialen und integrativen Angeboten mit Schwerpunkt an der Waisenhausstraße seit Jahrzehnten in der Stadt aktiv ist, Fördergelder für das Projekt erhalten. Mit den rund 14.000 Euro sind die Nebenkosten für ein Jahr gesichert, so Quartiersmanager Markus Offermanns. Seine Kollegin Anna Papoulias sieht den Sozialverband in der Rheydter City gut vernetzt und erfahren in dem Bemühen, die soziale Integration einzelner Gruppen aufzubrechen. Mit den Leerstands-Projekten „Schauzeit“ hat der SKM 2015 und 2017 gute Erfahrungen gemacht. Im neuen „Chapeau Kultur“ wird der SKM neben anderen Einzelprojekten regelmäßig das „Café welcome“ für Flüchtlinge anbieten (montags von 16 bis 18 Uhr) und ein kreativ-interkulturelles Jugendprojekt zum Thema Gleichberechtigung von Frau und Mann: „Ich zeig Dir meine Welt“ (montags ab 17 Uhr).

Zweiter Mitspieler im „Chapeau Kultur“ ist der neue gegründete „Verband für Kulturen und Integration in Mönchengladbach“, VKI-MG, der sich als Sammelbecken von Migranten-Organisationen versteht. Die zurzeit elf Mitgliedervereine werden wochentags von 11 bis 16 Uhr im „Chapeau Kultur“ eine „Offene Tür“ unterhalten, die sich auch als Stadtteil-Treff versteht. Die von Alpha Balde (Radio MH) und Wolfgang Riehn aus Glehn (Clown Anouschka) koordinierten Aktivitäten, die eng an den Integrationsrat angedockt sind, sehen auch Konzerte und Symposien vor.

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In verschiedensten kulturellen Bereichen aktiv ist der Verein Kulturkram. Sinead Kleikamp hat das Erwachsen der Initiative aus einem Häufchen Kulturpädagogen der Hochschule Niederrhein zu einem bunten Sammelbecken für Kreative seit der Vereinsgründung vor sieben Jahren mitgemacht. Und ist froh, dass das „Nomadendasein“ an vielen wechselnden Orten der Stadt nun ein vorläufiges Ende findet. „Wir wollten immer nach Rheydt. Viele unserer Aktiven leben hier, hier können wir viel bewegen“, sagt sie. Ihre Kollegin Rebecca Schmithüsen ist die Programmmacherin, die mit Schwerpunkt Mittwoch bis Freitag zu so vielfältigen Formaten wie Malparty, Spielabend, Offenes Chorsingen, Vinyl-Club oder „Film und Schack“ einlädt. Bei dessen erster Ausgabe geht’s um Alltagssexismus. Der Kalender bis Juli ist schon ziemlich voll.

Alle Akteure erhoffen sich vom „Chapeau Kultur“ neue und belebende Kontakte – untereinander und für ihre Klientel. Der Ort scheint für das Vorhaben ideal – transparent und zentral. Vielleicht, und das ist das Ziel aller Beteiligten, steht das Projekt in zwölf Monaten auf eigenen Beinen. Dann wird es Zukunft haben.

Adresse: Bahnhofstraße 24-26 in Rheydt; Eröffnung: Freitag, 22. Juni, ab 17.30 Uhr

(ark)
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