Mönchengladbach: Auf den Spuren des Grafen Balderich

Wer steckt hinter dem Abteigründer von Mönchengladbach? : Auf den Spuren des Grafen Balderich

Legende oder historische Person? Immer gab es Zweifel über die Identität der sagenhaften Grafen. Hans-Peter Hütter hat intensiv geforscht.

„Lange ist Graf Balderich als sagenhaft abgetan worden“, erklärte Christoph Nohn in seiner Begrüßung zu dem Vortrag von Hans-Peter Hütter. Nohn ist in der Otto von Bylandt-Gesellschaft für die „Stadtgeschichtliche Vortragsreihe“ verantwortlich. Aktuelle Ansätze, die aus einer Reihe jüngerer wissenschaftlicher Arbeiten zur Frühgeschichte Mönchengladbachs resultieren, hätten neue Sichtweisen und Blickwinkel auf die Entstehungsgeschichte der Stadt ermöglicht, sagt er.

Vor etwa sieben Jahren hat sich der pensionierte Mönchengladbacher Lehrer Hans-Peter Hütter auf Detektivarbeit begeben. Hat die Forschungen von Historikerkollegen wie Christoph Nohn, Natalie Alexandra Holtschoppen oder Christian Wolfsberger, dem früheren Leiter des Stadtarchives, unter die Lupe genommen. Hat Bibliotheken durchsucht und Original- oder Faksimile-Urkunden, Totenbücher, Urkataster und alte Landkarten sehr genau angeschaut und analysiert.

Sein Ziel: die Wahrheit über die für Mönchengladbach so bedeutende Persönlichkeit Balderich herauszufinden. Legende oder historische Person – diese Frage galt auch am Mittwochabend, als Hans-Peter Hütter im Herrenhaus von Schloss Rheydt seine umfangreichen Forschungsergebnisse vorstellte. Was Hütter in 75 Minuten zusammenfasste, kann der Interessierte übrigens in Ruhe in Hütters Beitrag zum 32. Rheydter Jahrbuch nachlesen.

Es war schon eine große Fülle an Informationen und Überlegungen, an Namen und Daten, mit denen Hütter in seinem Beitrag zu den Stadtgeschichtlichen Vorträgen routiniert jonglierte. Ein Denkmal des Balderich aus dem Jahr 1913 steht in Mönchengladbach, eine Hittastraße verweist auf seine Frau Hitta – und doch gab es immer Zweifel über seine und die Identität seiner Frau.

„Legendär oder historisch? Eine wirklich spannende Frage“, so Hütter. Seine umfangreichen Recherchen haben ihn zu dem Ergebnis gebracht, dass hinter dem Abteigründer der Markgraf von Friaul steckt, ein fränkischer Reichsaristokrat aus dem Umfeld Karls des Großen.

Der Historiker Ernst Brasse, schilderte Hütter, habe Balderich noch Anfang des 20. Jahrhunderts in den Bereich der „literarischen Schöpfung“ verwiesen.

Hans-Peter Hütter spricht über den Grafen Balderich. Foto: Bauch, Jana (jaba)

Doch die Einträge über Balderich in der Gründungsgeschichte der Abtei, im Totenbuch und in den Reichsannalen, im Mainzer Namensverzeichnis aus etwa dem Jahr 805, im Reichenauer Verbrüderungsbuch von 824 und die Recherchen zahlreicher weiterer Quellen haben Hans-Peter Hütter Schritt für Schritt zu seiner These geleitet. Was für die Mutmaßung spricht: Immer wieder hat Hütter seine Erkenntnisse mit den historisch belegten Ereignissen abgeglichen.

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