Mönchengladbach: Anastacia tritt am Schloss Rheydt auf

Sommermusik Schloss Rheydt : Wie Anastacia die Herzen erobert

Sie hat eine unverwechselbare Stimme, sie ist witzig, sie liebt ihr Publikum. Und das liebt die amerikanische Sängerin, die am Schloss Rheydt ihre größten Hits sang.

Diese unglaubliche Stimme, diese unfassbare Bühnenpräsenz, diese unverfälschte Freude und Freundlichkeit: Anastacia hat bei der Sommermusik Schloss Rheydt die Herzen erobert. Und zwar von der ersten Minute an. Donnerndes Intro, dann steht sie auf der Bühne. Gekleidet in kanariengelber Jacke und blütenweißer Hose spricht sie die Fans an, die dicht gedrängt vor der Bühne stehen: „Hallo Mönchengladbach, dies ist mein letztes Konzert der Sommertour – hier bei euch in Mönchengladbach. Es ist so schön, dass ihr alle gekommen seid.“ Und dann verrät sie, dass sie die Pfauen, die in der Schlossanlage leben, einfach toll findet. „I love these peacocks“, ruft die amerikanische Sängerin.

Tatsächlich ist sie kurz vor Beginn des Konzertes mit ihrer Kamera herumgelaufen und hat die farbschillernden Vögel fotografiert. „Sie ist total begeistert vom Schloss, findet alles toll“, sagt Günter vom Dorp. Der Erfinder und Organisator der Sommermusik Schloss Rheydt hat erlebt, dass die ersten Fans schon morgens um 7.30 Uhr vor dem Schloss warteten – „sie haben tatsächlich den ganzen Tag ausgeharrt, um vorne mit dabei sein zu können.“

„Caught in the middle“, „Left outside alone“ „I can feel you, „Before“: Ein Hit folgt dem nächsten. Das Publikum tobt, Anastacia ist total begeistert. „Germany ist ein wundervolles Land“, ruft sie. Und richtet sich an zwei Jungs in der ersten Reihe. „Wie ist dein Name?“, fragt sie den einen. Sie versteht „Bert“. Und folgert gleich, dass der Kumpel von Bert ja ganz sicher Ernie heißt. Der heißt allerdings nicht Ernie, sondern Holger. „Ahhh, Holder!“ Sie ist witzig, sie ist zugewandt, sie ist einfach irre symphatisch, diese Anastacia. Dieser Weltstar, der so unprätentiös und völlig normal und bodenständig wirkt.

Anastacia stellt ihre Band und die Mitsängerinnen und -tänzerinnen vor. „Das ist Holly, sie spielt zwölf Instrumente, und das als Frau.“ Das Publikum lacht, und Holly wechselt vom Keyboard zur Gitarre und legt los. Dann ist Anastacia plötzlich verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt. „Habt Ihr gesehen, wo sie hingegangen ist?“, wird das Publikum gefragt. „Ne, keine Ahnung.“ Die Tänzerinnen legen eine funkige Nummer ein. Super. Und dann – wie aus dem Nichts – ist sie wieder da, hat Gelb-Weiß gegen Jeans und schwarzes Oberteil getauscht, rockt los, tanzt los. Die Fans jubeln, keiner steht mehr ruhig da, keiner sitzt mehr auf seinem Platz. Es wird getanzt, Lichter flackern auf, die Stimmung ist ausgelassen.

Anastacia irgendwie auch. „Wer von euch sieht mich heute zum ersten Mal live“, fragt sie. Die allermeisten Hände schnellen nach oben. „Wie schön, dass ihr hier seid“, ruft die Sängerin. Und wieder bricht es aus ihr heraus: „Germany is such ab beautiful country“, ruft sie. „Deutschland ist so ein wundervolles Land.“ Und sie gesteht, dass sie nur wenige Worte Deutsch kann. Eines davon ist; „Umarmen.“ Dieses Wort wiederholt sie mehrfach, lässt es auf der Zunge zergehen, spricht es regelrecht sinnlich aus.

Und dann geht es weiter. Anastacia erhebt ihre soulige Stimme in die Höhen, sie fühlt sich wohl in den tiefsten Sphären. Als sie zum Schlusston eines Songs ansetzt, holt sie Luft, und man hört sie sagen: „Mein Gott, das ging vor 20 Jahren einfacher.“ Und dann lässt sie den Ton emporwachsen, zwirbelt ihn mächtig aber kontrolliert, hält ihn – das Publikum johlt und applaudiert. „Das gibt’s doch gar nicht!“, flüstert ein noch recht junger Fan, der seine Handykamera unentwegt auf die Bühne richtet.

In wenigen Wochen wird Anastacia 50 Jahre alt. Kaum zu glauben. Sie tanzt, sie singt wie eine junge Göttin. Sie ist eine Rock-and-Soul Göttin.

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