Mönchengladbach: Am Samstag Premiere von "Living in America" im Theater

Ballett von Robert North : Getanztes Leben in Amerika

Der neue Ballettabend von Robert North heißt „Living in America“. Die Matinee mit Kostproben begeisterte. Premiere ist am Samstag um 19.30 Uhr.

Wer diese Matinee besucht hat, den wird nichts und niemand auf der Welt davon abhalten können, die Premiere oder/und mindestens eine der nachfolgenden Vorstellungen zu besuchen. Der neue Ballettabend von Robert North heißt „Living in America“. In drei Akten führt die fantastische Ballettcompagnie des Theaters die Besucher durch das 19. und 20. Jahrhundert bis in die Jetzt-Zeit der USA. Einige Szenen und die Tänzerinnen und Tänzer durften die Matineegäste am Sonntag erleben.

Etwa Takashi Kondo, der sich als Indianer geschmeidig und wachsam über die Bühne bewegt. Dann kommen die weißen Siedler. Sie vertreiben die Ureinwohner und bauen die ersten Städte mit Bank, Saloon und Store. Das Ensemble tanzt froh ins neue, vielversprechende Leben hinein. Duncan Anderson lernt als einfältiges Greenhorn schmerzlich die ersten Auswüchse des Kapitalismus kennen. Es geht immer um den schnellen Dollar.

Zweiter Akt: Die großen Städte entstehen, die Unterwelt demonstriert ihre Macht, die Theater- und Filmindustrie pulsiert. Wie so viele andere verlässt Amelia Seth ihr Dorf, um in New York oder Hollywood ein Star zu werden. Ihren Freund, der sie davon abhalten will, verstößt sie. Eine traurige Szene. Die Musik in den ersten beiden Akten stammt ausnahmslos von Aaron Copland. Im dritten Akt kommen Kompositionen von George Gershwin, John Lee Hooker, Ella Fitzgerald, Peter Gabriel und James Brown hinzu.

Es geht ins 21. Jahrhundert. Die Tanz-Szenen – auch die Musik – werden abstrakter. Etwa in der Basketball-Geschichte. Absolut Gänsehaut. Und die Lieblingsszene von Ballettdramaturgin Regina Härtling, die im sympathischen Plauderton die Moderation der Matinee übernahm. „Ich liebe diese Szene“, sagte sie. Ballettdirektor Robert North, der in Amerika geboren wurde, gab bereitwillig Auskunft. Es gebe witzige und ironische Momente in seinem Ballett, aber auch sozialkritische. „Etwa wenn es um die amerikanische Fixierung auf Geld und Macht geht“, sagte er. Aber er liebe die Energie und Begeisterung der Amerikaner, „die das Land in seiner derzeitigen politischen Situation vielleicht noch retten könnte“.

Udo Hesse, verantwortlich für die Ausstattung der Bühne und die Kostüme, schilderte die aufwendigen Vorarbeiten. Die Tänzerinnen und Tänzer müssen in insgesamt 120 Kostüme schlüpfen. „Das heißt, hinter der Bühne ist genau so viel Trubel wie auf der Bühne. „Ich bin aber sicher, das Publikum wird von alle den Anstrengungen nichts merken.“ Sicher ist: Der Beginn und das Ende des Ballettabends ist der Freiheit gewidmet.

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