Mönchengladbach: Alena Baeva begeisterte als Sologeigerin

Konzert in Mönchengladbach : Geigerin begeisterte im Sinfoniekonzert

Die aus Kasachstan stammende Musikerin Alena Baeva überraschte das Konzertpublikum auf besondere Weise. Sie spielte das einzige Violinkonzert von Antonín Dvorak.

Was sich beim 6. Sinfoniekonzert im gut besuchten Konzertsaal des Theaters ereignete, war vermutlich eine Premiere. Nach ihrem glanzvoll gelungenen und umjubelten Solokonzert holte die Geigerin Alena Baeva den Solobratscher der „Niederrheinischen Sinfoniker“, Albert Hametoff, nach vorne, und dieser erklärte dem erstaunten Publikum, dass Baeva und er aus demselben kasachischen Ort stammen und sich nun nach 20 Jahren wiedergesehen hätten. Die inzwischen international gefragte Geigerin bat ihren Jugendfreund, mit ihr gemeinsam die Zugabe zu gestalten. So kamen die Besucher in den einmaligen Genuss, „Passacaglia, Sarabande und Variationen nach Händel“ für Violine und Viola aus der Feder des Norwegers Johan Halvorson (1864-1935) in einer meisterlichen Wiedergabe zu erleben.

Vorangegangen war nicht weniger Meisterliches. Die 34-jährige Musikerin, die am „Peter Tschaikowsky-Konservatorium Moskau“ studierte und von Mstislaw Rostropowitsch sowie Seiji Ozawa gefördert wurde, stellte sich den extremen Anforderungen des einzigen Violinkonzertes von Antonin Dvorak (a-Moll op. 53) das hier mehr als 30 Jahre lang nicht mehr zu erleben war. Das ist seltsam: Der leidenschaftliche Gesang des Kopfsatzes, die einnehmende Lyrik des Adagios und das von slawischer Folklore geprägte Finale hätten stärkere Beachtung verdient. Doch vielleicht fürchtet so mancher Solist den spieltechnischen und interpretatorischen Anspruch des Werkes – Alena Baeva gehört mit Sicherheit nicht dazu. Mit vollem Einsatz und dennoch auf ihre ganz eigene Art leichtfüßig, bewältigte die Solistin alle Schwierigkeiten und achtete genauestens auf die mit ihr korrespondierenden Soloinstrumente des Orchesters. Dieses hatte Generalmusikdirektor Mihkel Kütson souverän im Griff, sodass das Miteinander ein einziger großer Genuss war.

Noch niemals zuvor erklang in einem Konzert der „Niederrheinischen Sinfoniker“ ein Werk des 1871 in Wien geborenen Alexander Zemlinsky. Dabei ist die Musik des erst seit einigen Jahren wieder verstärkt beachteten Komponisten von einnehmender spätromantischer Klangfülle, mit Anklängen an Wagner und Richard Strauss.

„Die Seejungfrau“, ein dreiteiliges Opus für groß besetztes Orchester, dem ein Märchen von Hans Christian Andersen zugrunde liegt, hatte der minutiös und doch mit Emphase leitende Mihkel Kütson ausgesucht. Hier durfte nicht nur Konzertmeister Philipp Wenger in edelsten Kantilenen schwelgen, das gesamte Orchester zeigte sich von seiner allerbesten Seite.

Als Zugabe – nach ausdauerndem Applaus – gab es noch den „2. Slawischen Tanz“ von Dvorak.