Literarischer Sommer : Mit schwarzem Humor und viel Tempo

„Sieh mich an“ heißt der neue Roman von Mareike Krügel. Bei der Lesung im Atrium der Stadtbibliothek las Bonella van Beusekom aus der niederländischen Übersetzung des Buches.

Ein Fuchs: Dieses Bild ziert das Cover des Buches. Warum das so ist, wurde am Dienstagabend nicht verraten. Aber sonst so einiges. Bei der zweiten Lesung im Rahmen des 19. Literarischen (Hoch-)Sommers im Atrium der Stadtbibliothek Mönchengladbach waren neben der Moderatorin Maren Jungclaus vom Literaturbüro Düsseldorf die Autorin Mareike Krügel zu Gast. Und – das war sicher eine gelungene Überraschung – auch die niederländische Übersetzerin Bonella van Beusekom.

Die Übersetzer führen bedauerlicher Weise häufig ein Schattenleben. Allerdings: Einige Verlage, so erklärte Jungclaus, seien mittlerweile so weit, den Namen der Übersetzerin mit auf das Cover zu setzen. Also sei es nur folgerichtig, die Übersetzerin mit auf dem Podium zu haben.

„Sieh mich an“ heißt der neue Roman von Krügel. „Zie me staan“ lautet der Titel im Niederländischen. Den Begriff findet Krügel übrigens viel stärker als das deutsche „Sieh mich an“, weil er eine deutlichere Betonung auf die Position der Person legt, die gesehen, die wahrgenommen werden möchte. Bonella van Beusekom hat übrigens auch „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben übersetzt.

Die Lesung begann mit der Anfangspassage des Romans, der Beschreibung eines außergewöhnlich dichten und chaotischen Freitags im Leben der 40-jährigen Hauptperson Katharina. Dieselbe Passage trug anschließend Bonella van Beusekom auf Niederländisch vor. Eine wunderbare Zugabe für alle, ob sie Niederländische verstehen oder nicht.

„Ich bin überhaupt nicht ängstlich wegen der Übersetzungen, sondern dankbar und erstaunt. Missverständnisse sind eher charmant“, erklärte die 1977 in Kiel geborene Mareike Krügel auf die Frage nach ihrer Einstellung zu den Übersetzungen.

„Sieh mich an“ ist, das konnten die Gäste im Atrium nach den kurzen gelesenen Passagen schnell merken, ein dichter Roman. Mit Humor, schwarzem auch, aber auch mit Tiefgang und vor allem mit viel Tempo erzählt. Katharina ist Musikwissenschaftlerin, die, statt ihre Doktorarbeit zu Ende zu schreiben, ihre Kinder erzieht und musikalische Früherziehung unterrichtet. Auch ihr Mann Costas hat seine Ideale verraten müssen, um seine Familie zu ernähren. Dabei ist er von ihr weggedriftet – der Job ist in Berlin, weit weg. Die Tochter hat die Diagnose ADHS und kann mit einem Trick Nasenbluten erzeugen, was sie immer dann in der Schule einsetzt, wenn ihr langweilig wird. So auch an diesem Freitag.

Der Nachbar schneidet sich seinen Daumen ab und es geschehen noch viele andere Katastrophen. Und über allem liegt die Entscheidung, am kommenden Montag zum Arzt zu gehen und den vor zwei Wochen entdeckten Knoten in der Brust diagnostizieren zu lassen. Das Ergebnis dieser Diagnose wird im Roman offen bleiben. Ebenso wie die Antwort auf die Frage, wie man sein Leben im Bewusstsein seiner Endlichkeit lebt.

 „Sieh mich an“ ist im August 2017 im Piper Verlag, München, erschienen Es kostet 20 Euro.

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