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LVR-Kunstkapelle Mönchengladbach: Neue Ausstellung von Stephan Bähren

LVR-Kunstkapelle Mönchengladbach : Der ganze Kosmos in der kleinen Kapelle

Planeten sind mit feinen Silberfäden verbunden, Zahlen und Zeichen gemahnen an die Verbrechen der Nazis, und ein hölzernes Paar ist in Liebe vereint. Stephan Bähren stellt in der LVR-Kunstkapelle aus. Ein Rundgang.

Er hat das Universum geordnet. Hat die Planeten mit einem silbernen Faden miteinander verbunden, damit sie nicht auseinanderdriften. Und dennoch machen sie sich selbstständig, wirbeln umher, trudeln durchs Weltall, erzeugen durch ihre Bewegung ganz viel Energie. Stephan Bähren, der sich als Hommage an seine Töchter Svea, Jane und Inga den Künstlernamen jangistephan gegeben hat, stellt derzeit in der Kunstkapelle der LVR-Klinik an der Heinrich-Pesch-Straße aus. In den besonderen Räumen gibt es eine Menge zu entdecken – Skurriles, Anklagendes, Merkwürdiges.

Im hinteren Teil des kleinen Gebäudes hängen vier großformatige quadratische Bilder. Auf monochromen Flächen finden sich allerlei Zahlen und Zeichen. Diese sind aus der Bildfläche herausgerückt, der Betrachter denkt sie sich komplett. In der unteren rechten Ecke hat der Künstler die Zahlenkombination eingetragen, mit der er als Bundeswehrsoldat gekennzeichnet war. „Ich wurde als Kriegsdienstverweigerer nicht anerkannt, musste gegen meinen Willen zur Truppe“, sagt er. Andere Zahlen weisen auf sein Geburtsdatum hin, wieder andere an den Holocaust-Gedenktag und an sechs Millionen von den Nazis ermordete Juden.So ästhetisch sie auf den ersten Blicke wirken, diese Bilder sind hochpolitisch und bitter.

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Die kosmischen Bilder im größeren Kapellenraum sind auf Zeitungspapier gemalt. Entstanden sind in der Werkstatt der Klinik, in der Stephan Bähren gegen seine bipolare Störung behandelt wurde. „Es gab kein ausreichend großes Papier, da habe ich die Rheinische Post genommen“, sagt der Künstler. Üppiger Farbauftrag, Gold aus der Tube und Fundstücke aus der Werkstatt hat er in die Bildfläche eingearbeitet. Das schafft Lebendigkeit. Und tröstet über die schwarzen Löcher hinweg, die in Bezug zur Erkrankung des Künstlers stehen. Der zum allerersten Mal seine Werke zeigt. „Früher habe ich alles, was ich in meinen manischen Phasen geschaffen habe, in der folgenden Depression wieder zerstört.“ Jetzt hat er Vertrauen zu seinem Werk. Und das darf er auch.

Seine Krankheit ist ein großes Thema für ihn. So gibt es auf einem Podest einen Widderkopf, an dessen einem Horn eine mattschwarze und an dem anderen eine silberne Weihnachtsbaumkugel hängen. Eine Männer- und eine Frauenfigur stehen einander gegenüber. Bähren hat sie mit einem Faden umwickelt – gefesselt oder verbunden? Er hat ein rotes Herz zwischen die beiden gehängt. Es muss Liebe sein.

Ja, und in der Ecke hängt die Bundeswehr-Uniform, die der Künstler gezwungen war zu tragen, die er gehasst und nun mit seinen Bildern auf Stoff verschönert hat. Und auf der Brust des Tarnanzugs ist das Wort „ Love“ zu lesen Das wirkt versöhnlich.

Der van-Gogh-Kreis organisiert als Förderverein der LVR-Klinik Ausstellungen in der Kunstkapelle. Stephan Bährens Präsentation „manic affair“ ist noch bis 8. Juli zu sehen. (Termine unter der Nummer 02166 618-0.) Am letzten Tag beginnt die Finissage um 15 Uhr.

(isch)