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Leerstand in Mönchengladbach kreativ belebt

Mönchengladbach : „50 Kubik“ für Kreativität und mehr

Die schon lange leerstehende Vitrine an der Hauptstraße 14 ist vom Rheydter Quartiersmanagement wiederbelebt worden. In dem 20 Quadratmeter großen Raum präsentiert sich derzeit das Unternehmen „EDITH curated rooms“.

Sandra Gottwald und Marcus Dieken haben eine virtuelle Chefin. Die heißt Edith, und so heißt auch das Unternehmen der beiden: „EDITH curated rooms“. Was die Journalistin für Design- und Wohnmagazine und der Innenarchitekt mit kuratierten, also betreuten Räumen, meinen, ist in der Vitrine an der Hauptstraße 14 zu entdecken. Der 20 Quadratmeter große Raum hat lange leer gestanden, jetzt erlebt er seine Wiedererweckung. Er gehört nun zum Portfolio des Zwischennutzungsportals „provisorium“. Dieses bietet Studierenden, Jungunternehmern, Künstlern und Vereinen die Möglichkeit, attraktive Räumlichkeiten für ihre Arbeit und Projekte zu finden.

Sandra Gottwald und Marcus Dieken haben ihren Raum ausgestattet. Vor einer schwarzen Wand präsentieren sie auf Regalböden ausgefallene Deko-Stücke. Etwa zwei Paar Schuhe, die in der Art, wie sie arrangiert sind, durchaus eine ästhetische Wirkung entfalten. Da gibt es einen Plattenspieler, eine alte Schreibmaschine, Garnspulen, allerlei Bücher über Stadtgestaltung und zwei Karten mit Sprüchen von Joseph Beuys: „Hiermit trete ich aus der Kunst aus“  steht auf der einen. „Wer nicht denken will, fliegt raus“ auf der anderen. Der Raum ist angenehm ausgeleuchtet, es gibt rundherum Ablagen, die als Präsentier-, Arbeits- oder Sitzflächen gebraucht werden können, da sind ein Tresen und eine Garderobe. „Alles in diesem Raum kann von zukünftigen Nutzern für ihre Zwecke eingesetzt werden“, sagt Sandra Gottwald. Die könnten dann problemlos mit zwei gefüllten Koffern einziehen.

Denn das ist die Idee: Interessenten können bis einschließlich Mai die Vitrine „50 Kubik“ für 100 Euro für einen Monat mieten und ihre Ware anbieten oder Workshops organisieren. „Auf jeden Fall soll die Belebung der Vitrine mit Aktionen verbunden sein“, sagt Barbara Schwinges vom Team „provisorium“. Denn diese sollen auf die Nachbarschaft und die Rheydter Hauptstraße ausstrahlen.

Dass das funktionieren kann, ist bereits jetzt erkennbar. Gottwald und Dieken haben die Graffiti an den Außenfassaden entfernt – und es hat seitdem niemand gewagt, die Wände erneut zu beschmieren. „Früher lag hier immer viel Müll herum“, sagt der Rheydter Quartiersmanager Markus Offermann. Und jetzt? Nichts mehr, kein Dreck, keine Abfälle. „Das ist genau die positive Ausstrahlung und Wirkung, die wir mit der Belebung der Leerstände erreichen wollen“, sagt Barbara Schwinges. Und siehe da – es scheint zu funktionieren.

Die Stadt anders denken: Das ist einer der Sinnsprüche der Rheydter Akteure. „Auch in anderen Städten wird umgedacht“, sagt Sandra Gottwald. Der klassische Einzelhandel sei dabei, sich aus der City zu verabschieden. „Die leerstehenden Ladenlokale werden zunehmend von Service-Leistern als Büros genutzt.“ Mehr Kultur müsse zudem her – denn die belebe die Innenstädte.

Bevor sie und ihr Mann nach Gladbach kamen, hatten sie eine Design-Galerie in Köln. Anschließend lebten sie zwei Jahre in München. „Wir sind aus privaten Gründen nach Rheydt gezogen“, sagen sie. Und mit großer Überzeugung. „Wir sind echte Fans von Mönchengladbach, und speziell in Rheydt wollen wir unser Know-how und unsere Kreativität einsetzen.“