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„Kunsthalle for Music“ in Mönchengladbach​: Träumer zwischen Abschied und Neubeginn​

„Kunsthalle for Music“ in Mönchengladbach : Träumer zwischen Abschied und Neubeginn

Das Ensemble um Philipp Birkmann überzeugt in „Alles am Ende“ mit unterschiedlichsten Ausdrucksformen. Und gehen dabei elementare Fragen des Lebens an.

Kurz vor acht, und das Stück hat schon begonnen? Aber nein! Noch vor Aufführungsbeginn des Theaterstücks „Alles am Ende“ durch die Dream-Loud-Produktion zeigt sich, dass hier Grenzen zwischen Ende, Abschied und Neubeginn fließend sind. Nur einen Tag vor der Premiere fand das Ensemble um Philipp Birkmann in der Aula der Marienschule einen Ersatz für den ursprünglich anvisierten Aufführungsort im Alten Kolpinghaus. Zur Premiere inszeniert Birkmann expressiv den vorangestellten Monolog mit Andeutungen zum nervenaufreibenden Vorspiel einer Aufführung. Beim Sinnieren über Anfang und Ende klingt auch der Status des Ensembles an: Etwa die Hälfte hat gerade erst das Abitur absolviert. Ein Großteil des Premierenpublikums dürfte ebenso am Scheideweg vor und nach dem Abitur stehen.

Birkmanns Text und Regiearbeit setzen auf verschiedene Erzählebenen, die sich für die Zuschauer allmählich entschlüsseln. Im Stück studiert das Ensemble „Die letzten Träumer“ eine Theateraufführung ein. Szenen zu Beziehungskonstellationen sind eingebettet in diese Rahmenhandlung. Über die Personifikationen von „Gewissen“ und „Zeit“ ist die Auseinandersetzung mit Fragen über Verantwortung und Verlauf betont.

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Elisabeth Engel verkörpert die „Zeit“ zunächst mit herrischer Attitüde der Überlegenheit. Eindrucksvoll gelingt ihr die Entwicklung ihrer Figur, die im Fortschreiten nicht nur Menschen alt aussehen lässt, sondern auch selbst gebrechlich wird. Amélie Heß mimt als „Gewissen“ den gegenläufigen Prozess von Verzweiflung zur selbstbewussten Mahnerin. Das frontale Spiel in diesen Momenten geht explizit Richtung Zuschauer. Beide Schauspielerinnen unterstreichen den darstellenden Part mit Gesangseinlagen. Lynn Beckers gibt lebendig die Regisseurin, die mit cholerischen Anfällen und Selbstzweifeln auf die Gruppendynamik der Akteure im Stück reagiert. Das reale Ensemble überzeugt als ausdrucksvoll miteinander agierende Gemeinschaft, die Spannung und Präsenz zeigt. Das Schauspiel ist ergänzt um modernen Ausdruckstanz und den gemeinsam gesungenen Song. In Anleihen an Sitcom und Katastrophenfilm jonglieren die Darsteller mit Genres. Als roter Faden taucht die wiederkehrende Frage auf: „Wofür das alles, lohnt sich das?“. Für Regisseur und Darsteller haben sich die Mühen jedenfalls gelohnt. Zum Dank gibt es tosenden Schlussapplaus.

An diesen Tagen sind weitere Aufführungen geplant: Samstag, 25. Juni, 20 Uhr und Sonntag, 26. Juni, 18 Uhr. Tickets für 15 Euro unter dreamloud@t-online.de.