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Kunst in Mönchengladbach: Viel Interesse für den Parcours, das Wochenende der offenen Ateliers

Kultur in Mönchengladbach : Kunst im Bad und im Basement

Der Parc/ours, das Wochenende der offenen Ateliers, wartete mit Überraschungen aus dem Automaten, Kunst draußen und unter der Erde auf.

Erst mal im Vorbeilaufen Kunst kaufen. Am Automaten. Das „Artomatenglück“, ein von Ruth Zadow bemalter und umgestalteter Zigarettenautomat, hängt an einem Haus auf der Dülkener Straße und lockt wie früher die Kaugummi-Automaten mit einem bunten und vor allem überraschenden Inhalt. Künstler haben die kleinen Schachteln befüllt. Also: drei Euro einwerfen, mit dem Knopf kämpfen, dann ploppt es im Schacht: Eine mit Comic-Figuren bunt bemalte Dose ist gezogen. Darin befindet sich ein winziger USB-Stick. Schade, die Enthüllung dieser Überraschung muss bis zu Hause warten.

Der Parc/ours, das Wochenende der offenen Ateliers, überzog die Stadt Gladbach von Rheindahlen im Westen, wo Wolfgang Franken seine Arbeiten präsentierte, über Rheydt bis ins Zentrum von Gladbach. Wegberg mit Will Albert und Jüchen, wo Renate Fellner in Haus und Garten ihre Arbeiten zeigte, waren gewissermaßen die Dependancen des Kunstwochenendes, das zum Marathon geraten konnte, wenn man alles sehen wollte: 27 Ateliers mit weit über 40 Künstlern, dazu Außeninstallationen, Galerien und Museen – eine echte Herausforderung für Kunstfreunde.

Interesse an der Kunst war jedenfalls da. Viele hätten offenbar Nachholbedarf, seien froh, endlich mal wieder Kunst zu gucken, so formulierte es  Christiane Behr. Außerdem waren die Besucher diszipliniert, wie Karl Josef Weiß-Striebe zu berichten wusste. Immerhin mussten alle die Corona-Schutzmaßnahmen beachten. Das klappte. Auch in Ateliers wie dem von Wolfgang Hahn auf der Steinmetzstraße, in dem nur ein Besucher zugelassen war. Dann schaute man eben durchs Fenster in den ebenerdigen Raum und auf die brandneuen Arbeiten. Hahn hatte aus Buchbindekarton Formen aufgebaut, die ein Spiel mit wiederkehrenden Formaten spielen: etwa zwei Din-A4-Formate ausgeschnitten in einem Din-A3-Format.

Eine Fülle von Bildern zeigte Yolanda Encabo in ihrem Atelier an der Steinmetzstraße – auch Unvollendetes wie den Baum aus dem Rheydter Stadtwald. Es scheint, als spiegele sich die Isolation des Lockdowns in ihren Bildern mit den einsam spielenden Kindern wider.

Das Untergeschoss von Sinn wurde zum Kurzzeit-Museum – unter anderem mit umgebauten Leuchtreklamen mit dem Titel „Typografische Übung“ von Gabriele Horndasch. Im Hintergrund: eine Installation von Klaus Schmitt. Foto: Ilgner,Detlef (ilg)/Ilgner Detlef (ilg)

Wolfgang Hahn und Christiane Behr waren Teil der Kunst-Aktion im Untergeschoss des Bekleidungshauses Sinn. Ein außergewöhnlicher Ort für Ausstellungen, an den man sich gewöhnen könnte –  und eine spannende Zusammenstellung von Künstlern. Dort konnte man ältere Arbeiten von Hahn wie die Legoplastiken sehen, Lichtobjekte und Collagen von Christiane Behr, Fotografien von Christa Hahn und raumgreifende Installationen von Klaus Schmitt, für die der riesige Raum einfach perfekt war. Alexander Hermanns war mit seiner dreidimensionalen Malerei dabei.

Die Medienwissenschaftlerin Kathrin Tillmanns hatte mit Christiane Behr eigens für den Parc/ours eine Arbeit entwickelt, in der sich Schattenwesen hinter einer milchigen Fläche bewegen. Die Fotografien der „Krisenskulpturen“ von Astrid Piethan und Tobis Becker in einer Installation aus heimeligen Zimmeraufbauten versetzten den Besucher in die Zeit des Lockdowns. Den Gegenpol lieferte Gabriele Hondrasch mit „Heiter“ – Leuchtreklame aus vergangenen Zeiten. An den Säulen des Untergeschosses klebten kleine Skulpturen, die an Elemente einer Kletterhalle erinnern. Eine Idee des Künstlerduos Dan Dryer, Astrid Piethan und Jörg Koslowski.

Rita Wilmesmeier hatte ihr Atelier auf dem Parkdeck der Firma Menge geöffnet: Neben neuen Arbeiten zeigte sie Holzskulpturen aus ihren Anfängen – verblüffend, wie eine Künstlerentwicklung verläuft.

Im Atelierhaus Eickener Straße 71 war die Präsentation von Kunst  geballt: Im Treppenhaus begleiteten  den Besucher die weiblichen Rückenakte von Shamsudin Achmadow hinauf in die erste Etage, wo Weiß-Striebe reduzierte Collagen vorstellte. Susanne Keller hat gerade erst ihr Atelier bezogen und verwandelte es in eine „mundo submarino“ – sogar das Badezimmer wurde zur Kunstinstallation.

Übrigens: Der kleine USB-Stick aus dem Artomatenglück entpuppte sich als Quell wunderschöner ­Musik!