Mönchengladbach : Zwei Gladbacher Kunstwerke im Neusser Museum

„Ihrer Zeit voraus“ heißt die Ausstellung, die sich den Künstlern Nauen, Campendonk und Thorn Prikker widmet.

Manchmal verlassen Gemälde ihren angestammten Platz und begeben sich auf eine größere oder kleinere Reise. So ist es zurzeit mit zwei Bildern, die den Besuchern des Museums Abteiberg seit Jahrzehnten gut bekannt sind: Heinrich Nauens „Tulpen“ von 1911 und Heinrich Campendonks „Roter Hirte mit Tieren“ von 1928 haben ihren Platz an den Wänden des Gladbacher Museum mit denen des Clemens-Sels-Museums in Neuss getauscht.

Dort befinden sie sich in guter Gesellschaft mit weiteren Gemälden von Nauen (1880-1940), Campendonk (1889-1957) sowie Johan Thorn Prikker (1868-1932). Unter dem Titel „Ihrer Zeit voraus“ Heinrich Campendonk – Heinrich Nauen – Johan Thorn Prikker“ zeigt Museumsdirektorin Uta Husmeier-Schirlitz, wie sehr die drei Künstler jeweils an der Schaffung eines Gesamtkunstwerkes arbeiteten. Dabei entwarf ein Maler auch Stoffe, ein Glaskünstler Möbel oder, im Falle von Campendonk, eine Halskette aus bemalten Holzscheiben und Perlen.

Der in den Niederlanden geborene Thorn Prikker formulierte den Anspruch, „dass ein Kunstwerk nicht autonom, sondern für einen bestimmten Ort entstehen und mit diesem eine räumliche, stilistische und funktionale Einheit bilden müsse.“ Mit diesem künstlerischen Ansatz waren Campendonk, Nauen und Thorn Prikker – mehr als ein Jahrzehnt vor der Gründung des Bauhauses – „Ihrer Zeit voraus“.

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Die Ausstellung in Neuss ist mit der Vielzahl an Gemälden von Campendonk, der dem Blauen Reiter nahestand, dem Rheinischen Expressionisten Nauen und Thorn Prikker, der vom Jugendstil beeinflusst war, ein hoher ästhetischer Genuss. Über dieses visuelle Erlebnis hinaus will das Museum nicht nur vermitteln, dass die drei Künstler die Ideen der Bauhausbewegung vorausnahmen.

Ein weiteres Anliegen ist es, die Bedeutung der Stadt Neuss vorzustellen. „Neuss zählte damals neben Düsseldorf, Köln, Krefeld und Hagen zu den kulturellen Keimzellen an Rhein und Ruhr, die als äußerst innovativ und zukunftsweisend und als europäisch vernetzt galten“, heißt es im Katalog.

So gründete Rechtsanwalt Johannes Geller die „Gesellschaft zur Förderung Deutscher Kunst des 20. Jahrhunderts“ mit Sitz in Neuss. Man wollte eine repräsentative Sammlung moderner Kunst zusammentragen. Bis 1922 kauften die Gesellschaft 250 Kunstwerke an, darunter Bilder von Macke, Nauen, Kokoschka, Max Ernst, Heckel, Marc, Nolde und vielen anderen. 1920 wurde eine Ausstellung im Vorgängerbau des Clemens-Sels-Museums am Markt in Neuss eröffnet.

Breiten Raum wird in der Ausstellung auch den damaligen Mäzenen der Kunst gewidmet. Und auch hier taucht selbstverständlich Mönchengladbach erneut auf: Mit Walter Kaesbach wird der Mann gewürdigt, der schon früh Heinrich Nauen entdeckte, finanziell unterstützte, Käufe und Aufträge vermittelte. Auch Campendonk gehörte zu seinen Freunden. Kaesbach vermachte zu seinem 75. Geburtstag der Stadt Mönchengladbach seine Sammlung von Aquarellen und Zeichnungen Nauens.

Die Ausstellung ist bis 10. März im Clemens-Sels-Museum, Am Obertor, in Neuss zu sehen (Di bis Sa, 11 bis 17 Uhr, So, 11 bis 18 Uhr; letzter Donnerstag im Monat von 11 bis 20 Uhr). Am Donnerstag, 31. Januar, 18.30 Uhr nimmt Klaus Hurtz, Pfarrer und Regionalvikar aus Mönchengladbach, das Bild von Johan Thorn Prikker, „Der heilige Franziskus predigt den Fischen und Vögeln“ mit seinen Gedanken ins Visier.