Mönchengladbach: Kunst auf Rädern

Mönchengladbach: Kunst auf Rädern

Sechs Quadratmeter Grundfläche, Stromanschluss, Heizung, Klimaanlage, Beleuchtung. Alles da. Bernhard Jansen zeigt seit fünf Jahren Kunst in seinem Wohnwagen.

Er hat eine Ausbildung zum Schauwerbegestalter gemacht und in diesem Beruf gearbeitet. Dann kamen die Kinder, er nahm Erziehungsurlaub. Später begann er sein Studium der Kunstgeschichte in Düsseldorf, machte seinen Bachelor, den Master, und dann promovierte Bernhard Jansen. Er bezeichnet sich als Kunsterklärer, Ausstellungsmacher, Kurator und Konzeptionist. Und er hat sich einen Traum erfüllt. "Ich wollte Ausstellungen machen - und zwar da, wo die Menschen sind", sagt er. Das hat er getan. 2008 zeigte er seine erste Ausstellung - in der Vorweihnachtszeit in einem Oldie-Bus der NEW. Noch einmal war es ein Bus, und zwar 2009 während der Ensemblia. Der stand wahlweise vor dem Theater, vor der Kaiser-Friedrich-Halle und am Museum Abteiberg.

... auf dem Alten Markt ...vor dem Rheydter Rathaus ... auf dem Alten Markt ...vor dem Rheydter Rathaus Foto: Ralf Krawietz

"Dann wollte ich etwas haben, das mir gehört, und mit dem ich meine mobilen Ausstellungen durch die Gegend fahren kann." Den Gedanken an einen Seecontainer verwarf er ebenso wie den, ein Postauto zu kaufen. Es wurde ein Wohnwagen. Den erwarb er im November 2012 - für 150 Euro: "Ein Schnäppchen." Nachdem er den Wohnwagen entkernt, aufgehübscht und gestrichen hatte, kam dieser als mobile Galerie Anfang 2013 zum ersten Mal zum Einsatz. "Die Citykirche wurde saniert, und die Seelsorger wollten mit einer Aktion darauf aufmerksam machen, dass es die Kirche noch gibt", sagt Bernhard Jansen. Er zeigte Arbeiten von christlichen, jüdischen und islamischen Künstlern. Es wurde ein Erfolg.

Jetzt hat der rollende Ausstellungsraum fünf Jahre auf dem Buckel - und unzählige Stationen in Mönchengladbach, Düsseldorf und Bochum hinter sich. "Es macht immer noch richtig viel Spaß", sagt Bernhard Jansen. Deshalb macht er weiter. Auch in diesem Jahr wird das X.position mobile mit dem 6,50 Meter hohen Fahnenmast, an dem je nach Anlass die entsprechende Fahne gehisst wird, immer mal wieder an unterschiedlichen Stellen in der Stadt auftauchen. Und die Menschen anlocken.

"Es ist tatsächlich in Erfüllung gegangen, was ich mir gewünscht habe", sagt Jansen. "Die Leute sind neugierig, sie schauen sich die Ausstellungen an, sie stellen Fragen, und wir kommen ins Gespräch." Klar, manchmal sei die Reaktion negativ. "Dann schauen mich die Passanten von oben bis unten an und ich sehe ihnen an, was sie denken." Manche gucken kurz in den Wohnwagen und verabschieden sich schnell mit: "Dat is nix für mich." Aber meistens würden sich die Menschen freuen. Schon öfter habe er gehört: "Toll, dass es sowas in Gladbach gibt!"

Das größte Kunstwerk, dass er je in seinem Wohnwagen ausgestellt hat, war ein bemaltes Türblatt von Jürgen Jansen. "Das ging gerade so rein." Performances hat es schon gegeben - auf engstem Raum. Und einmal, 2015 auf dem Burgplatz in Düsseldorf, hat Miro Dobrowolny mit seinen Leuten ein Konzert in Jansens Wohnwagen gegeben. "Das Ordnungsamt hat das nur unter der Voraussetzung genehmigt, dass wir die Fenster geschlossen halten", sagt Bernhard Jansen lachend.

Er sagt: "Ich bin kein Künstler." Aber auf seine Art ist er zum permanenten Performer geworden.

(isch)