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Kulturausschuss in Mönchengladbach beschäftigt sich mit Folgen der Corona-Pandemie

Kulturausschuss in Mönchengladbach : Fischer befürchtet Corona-Spätfolgen

Der Kulturausschuss beschäftigte sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Besonders betroffen ist die Volkshochschule. Eine Abo-Kündigungswelle ist bislang ausgeblieben. Der genaue finanzielle Schaden durch die Krise steht noch nicht fest.

Die Volkshochschule (VHS) hat es von den städtischen Kultureinrichtungen am härtesten getroffen. Eine Kündigungswelle der Theater- und Konzert-Abonnenten ist ausgeblieben. Kulturdezernent Gert Fischer, Theaterchef Michael Grosse und MGMG-Geschäftsführer Peter Schlipköter haben im Kulturausschuss die Auswirkungen der Corona-Pandemie skizziert.

„In der Musikschule sind während des Lockdowns die digitalen Angebote aufgeblüht“, sagte Fischer. Inzwischen sei dort wieder eine Art Normalbetrieb aufgenommen worden. Auch Bibliothek und Stadtarchiv konnten die Corona-Erschütterungen relativ gut schultern. Vom Normalbetrieb ist die VHS bislang am weitesten entfernt. Der Lockdown habe vor allem die freien Dozenten getroffen, auch wenn die Stadt Härtefälle berücksichtigt habe. Mit den Lockerungen habe man zunächst die Kurse für die Schulabschlüsse wieder aufgenommen. „Aber es läuft nur ein Bruchteil des Programms“, sagte Fischer.

Das finanzielle Ausmaß der Corona-Schäden für den Kulturbetrieb ist noch offen. Fest steht: „Mehrausgaben und Mindereinnahmen werden auf ,einem Deckel’ gesammelt“, erklärte der Kulturdezernent. Er sprach von gut 350.000 Euro Mindereinnahmen für die VHS und rund 100.000 Euro  für die Musikschule. Voraussichtlich dürfen die Kommunen für die Corana-Schäden neue Schulden aufnehmen; Details bislang ungeklärt. „Das große Risiko des Verfahrens ist ein anderes: Wenn die Besucher nicht so zurückkommen wie erhofft, könnte in den nächsten Jahren ein Loch im Haushalt entstehen, und wie soll man dann argumentieren, dass dies ein corona-bedingter Schaden ist“, sagte Fischer. Im Sommer werde man über die 1,50-Meter-Abstandsregel reden müssen – für die Theater, aber vor allem auch für die Schulen.

Michael Grosse, Intendant des Theaters Krefeld-Mönchengladbach, kündigte einen zweiten Plan für die neue Spielzeit an, auf dem Stücke wie Camus’ „Die Pest“ und Becketts „Endspiel“ stünden. Theater unter Corona-Bedingungen bedeute: „Romeo und Julia werden sich nicht küssen“, sagte Grosse. Beim Ballett sei ein Pas de Deux nur möglich, wenn die Tänzer in einer Partnerschaft zusammenlebten. Eine große Abo-Kündigungswelle sei jedoch ausgeblieben. Peter Schlipköter bestätigte für die MGMG die Treue der Abonnenten und der Sponsoren. Die Schlosskonzerte würden voraussichtlich in die Kaiser-Friedrich-Halle verlegt.

Generalmusikdirektor Mihkel Kütson will ebenfalls einen zweiten Plan für die kommende Spielzeit vorlegen. Das neue Programmheft bezeichnete er als „literarische Vorlage, was wir so gedacht haben“. Dennoch relativierte Kütson die Lage: „Wir können weiter das machen, was wir lieben. Wir müssen es nur anders machen. In anderen Teilen der Welt ist das alles nicht möglich.“