Konzert in Mönchengladbach: Günter vom Dorp und Christian Malescov über die Zusammenarbeit für "Night in white Satin"

Konzerte in Mönchengladbach : Pop trifft Klassik

Was passiert, wenn ein klassischer Musiker und ein Pop-Amateur aufeinander treffen? Im Fall von Christian Malescov und Günter vom Dorp wurde daraus ein erfolgreiches Format. „Fun and Friends“ laden am Samstag, 18. Januar, 19.30 Uhr, und Sonntag, 19. Januar, 17 Uhr, zur „Night in white Satin“ ins Kunstwerk Wickrath ein. Silke Jüngermann-Schnettler (Text) und Jana Bauch (Foto) haben den Veranstalter und den Musikschulleiter getroffen.

Der Macher: Günter vom Dorp

Günter vom Dorp liebt Popmusik aus den 1960er-Jahren über alles. Aber er geht hört zu Hause Mozart und Tschaikowsky – „aber eher zur Berieselung“. Er kann nie sagen, welches klassische Stück bei einer „Night in white Satin“ er am meisten mochte. „Musik ist für mich Emotion. Wenn sie mich erreicht, löst das bei mir eine Gänsehaut aus.“ An der Klassik schätzt ihre Tiefe und Vielfalt. „Ich begreife immer mehr, was ich musikalisch alles nicht weiß.“

Alle Songs, die er singt, hat er nach Gehör gelernt. „Ich kann mir Melodien sehr gut einprägen“, sagt er. Noten zu lesen, hat er sich erst durch die Arbeit mit dem Orchester halbwegs angeeignet. Was die Popmusiker auch lernen mussten: Disziplin. „Eine Band ist ein wilder Haufen“, sagt vom Dorp.

Gute Arrangements sind ihm ebenso wichtig wie Christian Malescov. Wenn „My sweet Lord“ von George Harrison gespielt wird, klingt in der Orchesterfassung von Rüdiger Blömer auch Carlos Santana an. Öfter sagen ihm Zuschauer: „Das Stück XY gefiel mir bei euch besser als im Original.“

Was er an Christian Malescov schätzt? „Dass er ein Macher ist. Er macht klare Ansagen und kann führen.“ Das sei extrem wichtig, wenn 90 sehr unterschiedliche Menschen auf der Bühne ein professionelles Produkt abliefern wollen. „Man darf dabei nicht vergessen, dass wir abgesehen von Christian alle Amateure sind.“ Anstrengend findet er, wenn bei einer Probe ein Stück noch nicht sitzt und der Dirigent trotzdem weitergeht, damit die Kinder nicht die Freude verlieren. „Das quält mich regelrecht.“

„Christian ist keine Rampensau. Deshalb nimmt keiner dem anderen etwas weg“, sagt vom Dorp. Für ihn selbst ist die Bühne ein „heiliger Raum. Wenn der Vorhang aufgeht, spüre ich die Spannung sofort in mir.“

Vom Dorp, der das Konzert auch moderiert, wirkt immer locker. Der Abend erscheint wie das Treffen einer großen Familie. Aber er stellt klar: „Für mich ist das Stress pur.“ Er passt jede Sekunde auf, ob alles richtig läuft. „Wenn ich selber singe, ist das für mich Erholung. Dann kann ich mich mal auf eine Sache konzentrieren.“ Den Auftritt genießen kann vom Dorp erst, wenn das Konzert vorbei ist: „Dann durchströmen mich die Glückshormone.“

Der Musikschulleiter: Christian Malescov

Wie oft er in seiner Freizeit Popmusik hört? Christian Malescov lacht. „Soll ich ehrlich sein? Nie – die simplen Strukturen in vielen Liedern machen mich auf Dauer wahnsinnig.“ Trotzdem findet der Dirigent des Jugendsinfonieorchesters die Konzerte zusammen mit „Fun“, eine Mischung aus eingängiger Klassik und aufwändig arrangierten Popsongs, „unglaublich bereichernd, wenn man sich darauf einlässt“. Er schwärmt von „He ain’t heavy he’s my brother“ von den Hollies. Der Blick des Musikschulleiters ist allerdings klassisch, als er von klangvollen Harmonien spricht und von einer Sexte, die einen melancholischen Tonfall in das Lied bringt.

„Ich beneide die Popmusiker um ihre Leichtigkeit“, sagt Malescov. „Sie reflektieren nicht alles fünfmal. Klassik fordert von mir viel mehr Emotion, und sie ist oft auch ein bisschen tragisch.“ Wenn er das Jugendsinfonieorchester dirigiert, muss er bis zu 20 Stimmen koordinieren. „Ich arbeite mit einem Schülerorchester. Wenn ich einen Einsatz vergesse, gucken die mich groß an und spielen nicht.“

Die Band hingegen improvisiert viel oder überspringt spontan einen Teil. Dann muss das Orchester hinterher hechten. „Dadurch haben die Musiker enorm an Lockerheit gewonnen. Das hilft ihnen auch bei jedem anderen Auftritt.“ Die „Night in white Satin“ muss das Orchester mit nur zwei Proben stemmen. Die eigens für die Konzerte arrangierten Pop-Stücke sind oft anspruchsvoll. „Für harmlos-nette Streicherklänge im Hintergrund würden wir uns nicht hergeben“, stellt Malescov klar.

Was er an Günter vom Dorp schätzt? „Dass er ein Macher ist. Er arbeitet extrem professionell, obwohl er ein Amateur ist.“ Anstrengend findet der Dirigent, wenn sein Kollege mal wieder bis zum Tag des Konzerts die Reihenfolge der bis zu 40 Stücke ändert. „Aber ich habe aufgegeben, ihn erziehen zu wollen“, sagt Malescov.

„Günter ist eine Rampensau, er blüht auf der Bühne auf“, so Malescov. Daher ist die Rollenteilung klar: Vom Dorp moderiert, Malescov hat die musikalische Gesamtleitung. Vom Dorp ist auch für Organisation und Ablauf zuständig. „Für mich ist das Luxus“, sagt Malescov. Bei anderen Auftritten des Jugendsinfonieorchesters ist er von A bis Z verantwortlich. „Hier kann ich mich von der Musik tragen lassen – das genieße ich sehr.“