Mönchengladbach : Loriot im Gürzenich

Hastenraths Will beschäftigt sich mit dem Vorfall um den Auftritt von Bernd Stelter im Gürzenich

Skandal im Kölner Karneval! Bei die ARD-Aufzeichnung aus dem Gürzenich stürmte beim Vortrag von Bernd Stelter plötzlich eine Frau die Bühne. Was im ersten Moment wie eine Femen-Aktion wirkte, stellte sich – spätestens als die Dame ihr rot-weißer Ringelpulli anbehielt – als spontane Aktion heraus. Wie die Besucherin aus Weimar sich überhaupt in der rheinische Karneval verirren konnte, wurde nicht geklärt, wohl aber, wodrüber sie sich empörte. Es ging weder um Menschenrechte, Pressefreiheit oder Hunger in der Welt, sondern dadrum, dass Stelter sich über der Doppelname „Kramp-Karrenbauer“ lustig gemacht hatte. Da die beleidigte Thüringer Bratwurst selbst Trägerin eines Doppelnamens war, nämlich Möller-Hasenbeck, fühlte sie sich verunglimpft. Dass ihr eigener Name perfekt in ein Loriot-Sketch passen würde und damit sogar noch lustiger ist als Kramp-Karrenbauer, sei hier nur am Rande erwähnt. Die Frage lautet: Taugt eine Frau, die zuvor wahrscheinlich noch über Dinge gelacht hat, die sie nicht betrafen – etwa über Dicke oder Ausländer – plötzlich geballte Humorlosigkeit demonstriert, überhaupt zum Skandal? Vor allem, da Karneval und Humorlosigkeit eine viel größere Schnittmenge haben, als viele denken. Seit Donald Trump sind selbst UNO-Vollversammlungen lustiger als viele Gürzenich-Sitzungen vor busweise angekarrte Spaß-Touristen. Normalerweise würde sich Bernd Stelter wahrscheinlich sogar über die unerwartete Werbung freuen, wenn in der Zusammenhang nicht ständig sein mittelmäßiger Scherz zitiert werden würde. Kramp-Karrenbauer-Namenswitze liegen in der Originalitäts-Hitparade schon lange gleichauf mit Gags über die Frisur von Angela Merkel und sind vergleichsweise günstig zu kriegen. Frau Möller-Hasenbeck hingegen sollte sich mal lieber fragen, ob sie mit ihre alberne Kapitänsmütze auf dem Kopf nicht selbst Gefühle verletzt hat, indem sie der ehrbare Beruf des Seemanns der Lächerlichkeit preisgegeben hat.

Euer Hastenraths Will