Kolumne Hastenraths Will : Weihnachten wird Wild

Noch sechs Mal schlafen, dann ist Weihnachten – falls es nicht doch noch ausfällt, weil Amazon bestreikt wird. Die Vorbereitungen aufs Fest laufen auf Hochtouren. Es sind viele Fragen, die einen zurzeit umtreiben: Wie lang hat Aral Heiligabend auf?

Womit betrink ich mich? Wer nimmt Omma? Aber die wichtigste Entscheidung, die für die Weihnachtstage getroffen werden muss, lautet: Was gibt es zu essen?! Puristen setzen auf Kartoffelsalat mit Würstchen, angeblich aus Solidarität zu Maria und Josef, weil auch die sich nur Arme-Leute-Essen leisten konnten. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Brauch daher rührt, dass Mutter keine Lust hat, der ganze Tag in die Küche zu stehen.

In Sachen ‚opulentes Essen‘ scheint sich dieses Jahr ein klares Trendfleisch herauszukristallisieren: Wild! Vor allem, weil die Menschen immer mehr sensibilisiert sind beim Thema „Tiermast“ und da ist man mit Wild auf die sichere Seite. Wildtiere kommen nicht aus Massentierhaltung, sondern aus die Natur. Die leben in Freiheit, sind viel an die frische Luft, so gut wie nie beim Arzt und enthalten deshalb auch kaum Antibiotika. Auf viele Speisekarten findet man daher dieser Tage so viel Wild, dass der Nachschub schon knapp wird. Ich kenn viele Restaurants, die täglich frisch beliefert werden direkt von der Autobahnmeisterei.

Umso unverständlicher, dass es letzte Woche ein riesiger Shitstorm gab, als bekannt wurde, dass Netto Zebrafleisch verkäuft – wo wir doch gerade noch festgestellt haben, wie gesund das ist. Gut, ein Vorwurf war, dass das Zebrafleisch extra der weite Weg aus Südafrika hierhin transportiert wird, wo wir doch selber genug Fleisch haben. Ich bin mir allerdings sicher, dass argentinische Rinder auch nicht zu Fuß nach Deutschland laufen, für sich erst hier zu Steaks verarbeiten zu lassen. Ein Einwand, den ich dagegen nachvollziehen kann: „Salat mit Putenstreifen“ klingt wesentlich besser als „Salat mit Zebrastreifen“.

Euer Hastenraths Will