Kolumne Hastenraths Will: Die Dosis macht das Nichts

Kolumne Hastenraths Will : Die Dosis macht das Nichts

Frankreich streicht die Kassenerstattung für homöopathische Mittel und hat damit auch bei uns Diskussionen dadrüber ausgelöst. Die Frage, warum Homöopathie von unser solidarisches Gesundheitssystem mitfinanziert werden soll, ist durchaus berechtigt, denn Kaffeesatzlesen, Gläserrücken und Hellsehen sind schließlich auch keine Kassenleistungen.

Dass Arzneimittel, für die man lediglich Zucker, Wasser und eine blühende Fantasie braucht, überhaupt anerkannt werden, hat wohl damit zu tun, dass die Schulmedizin im 19. Jahrhundert noch in die Kinderschuhe steckte. In eine Zeit, in der Wadenkrämpfe ganz einfach mit eine Knochensäge beseitigt wurden, kam die Homöopathie natürlich umso sanfter daher: Die Krämpfe gingen von die Zuckerkügelchen zwar auch nicht weg, aber das Bein blieb wenigstens dran.

Die Erfolgsformel von Begründer und Verdünnungspapst Samuel Hahnemann lautete: „Lieber gar keine Wirkung als eine schlechte.“ Ein zeitlos gültiger Satz, mit dem es Christian Lindner 200 Jahre später sogar gelang, sein politisches Versagen zu kaschieren. Das Problem an Homöopathie ist: Die Wirkstoffe in die sogenannten Globulis sind so ähnlich wie Sex in der Ehe, nämlich kaum nachweisbar. Als ich mal erkältet war, hat meine Frau mir jeden Tag 3 x 80 Kügelchen Belladonna D 30 verabreicht und – schwupps – war die Erkältung nach drei Wochen weg.

Jetzt sagen die Kritiker, dass die vielleicht auch von alleine weggegangen wär. Die Befürworter dagegen behaupten: „Nein, die ist nur weggegangen, weil deine Frau so fest dadran geglaubt hat.“ Aber mal unter uns: Wenn an die Kinokasse einer umkippt und jemand ruft: „Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt“, bildet sich sofort eine Rettungsgasse. Ich glaube nicht, dass das auch passiert, wenn einer rufen würde: „Lassen Sie mich durch, ich bin Heilpraktiker.“ Globulis haben medizinisch gesehen allerdings ein Vorteil gegenüber echte Medikamente: Man kann nicht an eine Überdosis sterben.

Euer Hastenraths Will

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