Karikaturen in Mönchengladbach: 99 Mal "Katastrophe" in der Stadtbibliothek

Karikaturen-Ausstellung in Mönchengladbach : 99 Mal „Katastrophe“ in der Stadtbibliothek

„Glänzende Aussichten“ heißt die Karikaturen-Ausstellung, die „Fairtrade Town“ in die Stadt geholt hat. Die Werke machen nachdenklich.

Es war die Frage des Abends: Darf angesichts des nicht mehr zu leugnenden Klimawandels, ertrinkenden Menschen im Mittelmeer und anderen ernsten Themen, die die Weltpolitik zurzeit beschäftigen, überhaupt noch gelacht werden? Die Ausstellung „Glänzende Aussichten“, die noch bis zum 31. August in der Stadtbibliothek zu sehen ist, zeigt 99 Karikaturen von 40 Karikaturisten, die sich dieser Themen angenommen haben und sie mit einer Portion Humor und einem Augenzwinkern dem Publikum näherbringen möchten. Am Dienstagabend wurde sie eröffnet.

Und auf die Frage des Abends hatte Wolfgang Funke, Mitglied der Steuerungsgruppe Fairtrade Town Mönchengladbach, eine klare Antwort: Er betonte, wie wichtig Humor gerade in ernsten Situationen sein kann. „Angesichts der mageren Ergebnisse des G-20-Gipfels und der Flüchtlingspolitik scheint der humorvolle Umgang schwierig. Aber Humor hilft Haltung zu bewahren. Legt den Finger in die Wunde.“ Funke und seine Kollegen haben es mit viel persönlichem Engagement geschafft, die Ausstellung des Entwicklungshilfswerks Misereor für zwei Monate in die Stadtbibliothek zu holen. „Wir haben die Bilder sogar selbst abgeholt“, erzählte Sabine Kolsdorf.

Tatsächlich kommt zwischendurch die Frage bei so manchem Besucher auf: Darf man über so etwas lachen? Häufig ist dann das eine oder andere versteckte Kichern zu hören – aber auch Empörung und Zustimmung zu sehen. Denn die Bilder halten den Betrachtern – wenn auch humorvoll – schonungslos den Spiegel vor. Der Karikaturist Rabe etwa zeigt ein weinendes Kind vor einem prallgefüllten Schaufenster eines Spielwarengeschäftes, das auf die Frage einer älteren Frau, warum es denn weine, antwortet: „Ich hab das alles schon!“

Eine andere Karikatur, die sich ebenfalls kritisch mit dem Konsumverhalten auseinandersetzt, zeigt Einkaufswagen, die eine mächtige Schneise in den Dschungel schlagen. Klaus Stratmann zeigt eine beinahe ertrunkene Welt, mit tatenlosen Politikern, die jedoch versprechen: „Ab 2020 retten wir dich! Versprochen!“

„Es verdeutlicht die Themen noch einmal. Ich finde es gut, dass man das satirisch angeht. Bei solchen Bildern bleibt man doch eher stehen, als bei einem Plakat“, sagte Anke Stadeler am Rande der Ausstellungseröffnung. „Man müsste mit diesen Themen schon im Kindergarten anfangen“, meinte Besucherin Marlene Mutmeier.

Sozialdezernent Gert Fischer unterstrich die Bedeutung von Bibliotheken als Ort des Austausches und sozialer Begegnungen: „Die Menschen möchten hier lesen und arbeiten. Bibliotheken sind nicht nur Treffpunkt. Es sind öffentliche Orte.“ Bibliotheksleiterin Brigitte Behrendt freute sich über die Ausstellung in ihrem Haus: „Es passt nicht nur vom Thema. Wir erreichen hier auch eine Vielzahl von Menschen.“

Das Quartett der Musikschule Groove untermalte die Ausstellungseröffnung mit drei Stücken sehr passend, denn auch diese Imagine wurden karikiert – und man musste schon genau hinhören.

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