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Junges Theater in Mönchengladbach​: Arien, Lieder und Songs bei Milde Symptome

Junges Theater in Mönchengladbach : Arien, Lieder und Songs als Anti-Corona-Elixier

Mitglieder des Jungen Theaters verabschiedeten sich im musikalischen Crossover. Dabei ging es auch um die Pandemie und ihren Einfluss auf die Kunstbranche.

Ohne Corona-Virus hätte es die musikalisch-szenische Therapie vermutlich nie gegeben. Roland Hüwes Konzeption und Inszenierung „Milde Symptome“ ist eine witzige Antwort auf Nebenwirkungen der Pandemie im Metier der Kunstschaffenden. Sie fand ebenbürtige Ergänzung unter Avishay Shaloms musikalischer Leitung.

Auf dem Therapieplan standen unter anderem die Namen Schubert, Verdi, Sondheim, Purcell und Petry. Die Aufführung auf der Opernbühne im Theater war zugleich ein Abschied von Mitgliedern der Sparten Opernstudio und Orchesterakademie im Jungen Theater: Auf die Künstler warten neue Aufgaben an anderen Orten. Vor dem Adieu begeisterten Maya Blaustein, Boshana Milkov, Guillem Batllori und Robin Grunwald mit schönen Stimmen als Allrounder in musikalischen Gattungen.

Dabei bewiesen sie auch ihr komödiantisches Talent. Die Violinistinnen Beatriz Moura und Kiki Shibayama, Bratschistin Raquel Cobo Álvarez, Cellistin Catarina Nunes und Pianist Shalom verkürzten als „Niederrheinische Symptomiker“ Warteschleifen in der Behandlung und garantierten therapeutisch angemessene Unterstützung.

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Das Publikum saß mit auf der großen Bühne und durfte so den Scheidenden ganz nahe sein. Dafür lieferte Udo Hesses Ausstattung über die Bühnenbreite reichlich Aktionsspielraum im „Institut für Diagnose und Therapie von Berufskrankheiten weisungsgebundener Bühnenkünstler“ als Handlungsort. Mächtig und doch unsichtbar führte Roland Hüwe als „Die Stimme“ auch hier Regie. Auf Geheiß der „Stimme“ sollten die Patienten ihre Leiden über musikalische Werke erklären.

Dafür durcheilten sie mit Arien, Liedern und Songs die Gattungen Oper, Operette, Pop, Jazz, Folklore und Schlager. Sopranistin Maya Blaustein betörte mit feinem Timbre, einfühlsamem Ausdruck, versprach als temperamentvolle Giuditta heißblütige Küsse. Sie fand mit den anderen zu Duett, Terzett und Vokalquartett. In schillernder Interpretation servierte das Quartett Queens Rock-Klassiker „Bohemian Rhapsody“. Mezzosopranistin Boshana Milkov gab den Einstand im emotional aufgeladenen Musicalsong. Nach überzeugend gestalteten Umwegen kurierte sie der Therapieempfehlung entsprechend ein „akutes Sondheim-Fieber“ mit temperamentvoll servierter Rossini-Arie.

Ebenso durchforstete Bariton Guillem Batllori volumenreich und ausdrucksvoll die Gattungen, um von einer „leichten Helden-Grippe, verursacht durch Verdi-Pathos“ zu genesen. Im Kampf gegen ein „bösartiges Pop-Geschwür“ setzte Robin Grunwald auf die heilende Kraft von Schubert Liedern – soweit ihn sein Umfeld ließ. Die einfühlsame Interpretation war Teil der Persiflage auf ein unaufmerksames Publikum. Die Besucher entlohnten die spritzige Therapie mit frenetischem Beifall.