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Dieter Falk: J. S. Bach als Songwriter der Kirche

Dieter Falk : J. S. Bach als Songwriter der Kirche

Der Pianist gibt am 14. Juni im Trio zusammen mit seinen Söhnen ein Konzert zur Heiligtumsfahrt in der Franziskanerkirche.

Zum Rahmenprogramm der Heiligtumsfahrt gehört auch ein Jazzkonzert in der Franziskanerkirche St. Barbara. Samstag, 14. Juni, 19.30 Uhr, tritt dort der renommierte Pianist Dieter Falk mit dem Programm "Celebrate Bach & Toccata" auf. Falk musiziert im Trio mit seinen Söhnen Max und Paul Falk.

Sie mögen den Barockmeister Bach. Aber Sie spielen ihn auf jazzige Art. Wie dürfen wir uns das vorstellen? Setzen Sie das Prinzip von Jacques Loussier - Play Bach - fort?

Dieter Falk Ohne Bach wäre ich wohl nicht Musiker geworden, und natürlich bin ich auch von Jacques Loussier und Ekseption beeinflusst. Aber der Grund, wieso wir als Familien-"Boy-Band" Bach spielen, ist ein anderer: Meine beiden Söhne hatten mit Klassik leider nicht viel am Hut, und um sie wieder für J. S. Bach zu begeistern, habe ich seine größten Hits neu arrangiert und aktuelle Popmusik mit einfließen lassen. Mich freut es, dass Max (19) und Paul (17) jetzt auch wieder die Originale hören, und natürlich haben sich beide inzwischen mit Ihrem Musikgeschmack stark in die CD-Produktion und unser Live-Programm "eingemischt". Das bringt Groove und neue Sounds in die alten Originale.

Kann man Bach in die rhythmisch auf Off-Beats und Taktwechsel eingestimmte Musiksprache des Jazz übersetzen?

Falk Ich würde sagen, dass Bach - ohne es zu wissen - der erste Jazzer war. Viele seine Bassläufe wie zum Beispiel in der "Badinerie" könnte man auch als "Walking Bass" bezeichnen, und wenn das Schlagzeug dazu swingt, geht die Post ab. Viele Jazzer wurden von Bach inspiriert, und seine gewagten Akkorde haben mir schon als Teenager super gefallen. Wenn wir jetzt die "Air" spielen und recht klassisch beginnen, wechseln wir nach 16 Takten in den Swing-Jazz, und das Ganze endet nach drei Minuten in treibenden Rockrhythmen. Wir wollen die Zuhörer auf eine musikalische Zeitreise mitnehmen, die nicht in die alten Schubladen E- und U-Musik passt. Ich denke, Bach hätte das gefallen.

Sie werden im Rahmen der Heiligtumsfahrt am 14. Juni ein Programm aus Ihren beiden CDs "Celebrate Bach" und "Toccata" spielen. Sie am Klavier, Sohn Max am Schlagzeug. Was macht Ihr Sohn Paul dabei?

Falk Paul singt drei eigene Popsongs und spielt ansonsten Keyboards und Flügel. Zur Konfirmation hatte er eine Hammond-Orgel bekommen. Er liebt dieses Instrument, und seitdem er die Orgel hat, fängt er wieder an, Noten zu lesen.

Sie ernten auch Erfolg mit improvisierten Neufassungen von Kirchenliedern, etwa von Paul Gerhardt. Der gilt als Vertreter einer ziemlich verstaubten Tonsprache. Haben Sie Gerhardt aufgepeppt?

Falk Natürlich. Mich stört seit langem, dass Kirche - egal ob katholisch oder evangelisch - oft ein steifes und antiquiertes Kultur-Image hat. 2006 habe ich im Finale der Pro7-Castingshow "Popstars" und bei Stefan Raabs "TV-Total" den Choral "Nun danket alle Gott" als Popversion gespielt. Die TV-Leute haben mich angeschaut, als sei ich ein Mars-Mensch: Choräle bei Pro7, ist der verrückt? Aber es hat super funktioniert, weil das Thema Kirchenmusik plötzlich mit Lebensfreude assoziiert wird.

DIRK RICHERDT STELLTE DIE FRAGEN.

(RP)