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Helen Dohmen aus Mönchengladbach macht freiwilliges soziales Jahr am Theater.

Kultur in Mönchengladbach : Das bringt ein freiwilliges Jahr am Theater

Helen Dohmen hat am Theater Krefeld-Mönchengladbach nach dem Abitur erste Erfahrungen in der Arbeitswelt gesammelt. Die 19-Jährige aus Gladbach will allerdings keinen Bühnenberuf erlernen.

 Mit dem Studienwunsch Jura hat Helen Dohmen ein Fachgebiet, das gemeinhin eher das Ansehen von Sachlichkeit hat. Das freiwillige soziale Jahr (FSJ) aber leistet die 19-Jährige im Bereich für Presse und Öffentlichkeit am Theater. Ihr Gastspiel endet mit der Spielzeit. Dohmen ist derzeit am Theater eine von drei jungen Frauen, die erste Berufserfahrungen mit sozialem Engagement verbinden. „Ich wolle nicht direkt nach dem Abitur studieren, sondern etwas Neues erleben. Als ich die Anzeige des Theaters in der Zeitung sah, fand ich die Möglichkeit interessant, weil ich früher auch gerne Improvisations-Theater gespielt habe“, erzählt sie.

Im vergangenen Jahr legte Dohmen am Gymnasium Rheindahlen ein „Corona-Abitur“ ab. Die jüngere von zwei Schwestern würde sich selbst nicht als bühnentalentiert einstufen, und ein Bühnenberuf steht für sie ohnehin nicht zur Wahl. Doch die Mönchengladbacherin hat sich vorsorglich am Theater nach den Möglichkeiten für eine Juristin im administrativen Bereich erkundigt. „Die Arbeit macht mir einen Riesenspaß – trotz Corona“, fasst sie die bisherigen Eindrücke und Erlebnisse zusammen.

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Die Proben sind auch während des Lockdowns weiter gelaufen, und da vor der Bühne reichlich Platz ist, durfte die FSJlerin dabei zuschauen. Es sei aber auch faszinierend zu erleben, was sich außerhalb der Proben ereigne. In der Verwaltung sind allerdings die meisten Mitarbeiter im Home-Office. Dohmen aber ist täglich im Büro, um den Pressespiegel zusammenzustellen oder Recherchen zu übernehmen. Derzeit hat sie auch einige Übersetzungen vom Englischen ins Deutsche bewerkstelligt. Sie beteiligt sich am Korrekturlesen der Programme, Leporellos und Flyer.

Als besonderes Projekt nennt sie den eigenen Blog zu den Proben von „Wilhelm Tell“. Ihre Arbeit habe sie gelehrt, Theater mit anderen Augen wahrzunehmen, erzählt die 19-Jährige. „Wenn man weiß, wie viel Arbeit es ist, bis ein Stück fertig ist, wie die Proben laufen, wie Szenen entstehen und wie viel Spontaneität nötig ist, erlebt man die Aufführung anders“, erzählt sie. 

Sie hat die Erfahrung gemacht, wie zunächst uninteressant erscheinende Stücke über die Annäherung an Glanz gewinnen und sich unversehens die persönliche Bandbreite erweitert. Die moderne Version der „Zauberflöte“ habe ihr sehr gefallen. Obwohl sie nicht „der Typ für super klassische Oper“ sei, habe sie auch dieses Genre mit anderen Augen zu sehen gelernt, so die junge Frau. 

Sie genießt den Kontakt mit Schauspielern, Dramaturgen und überhaupt den Menschen am Haus, wenn auch die Umstände wegen der Corona-Pandemie verändert sind. Bisher stand Dohmen nicht als Statistin auf der Bühne. Das war bis vor kurzem wegen der Abstands- und Hygienevorschriften auch kaum möglich. „Ich hätte nichts dagegen, doch ich bin nicht hier, um auf der Bühne zu stehen, sondern vielmehr, um zu sehen, was dahinter geschieht“, bekennt Dohmen. Sie ist überzeugt, dass sie neben dem Spaß an der Arbeit von diesem Jahr stark – unabhängig von einem konkreten Berufsziel — profitieren wird.

„Es ist auf jeden Fall wichtig, nach der Schulzeit einen Arbeitsalltag zu erleben. Es hilft zu sehen, wie flexibel die Menschen am Theater ein müssen, um aus jeder Situation das Beste zu machen“, bilanziert sie. Die angehende Studentin hofft auf einen Studienplatz in Köln oder Düsseldorf. Dann könnte sie pendeln und auch „ihrem“ Theater als Besucherin treu bleiben.