Geiger Linus Roth gibt Konzert in Mönchengladbach

Mönchengladbach: Konzertabend in Freundschaft

Der Geiger Linus Roth würdigt im ersten Sinfoniekonzert das Schaffen des polnisch-jüdischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg.

Vor fünf Jahren hat Generalmusikdirektor Mihkel Kütson mit dem Geiger Linus Roth das Violinkonzert von Mieczyslaw Weinberg mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin für eine CD eingespielt. Seither verbindet eine enge Künstlerfreundschaft die beiden. Diese Verbindung trug bei der Aufführung des Violinkonzerts im Konzertsaal des Theaters dazu bei, dass das viersätzige Opus wie aus einem Guss, authentisch und formvollendet gestaltet beim Publikum ankam.

Der 41-jährige Violinprofessor ist Gründungsinitiator der Internationalen Weinberg Society. Roths Mission, das Schaffen des kaum bekannten Weinberg (1919-1996) bekannter zu machen, war seinem hingebungsvollen Spiel jederzeit anzumerken. Weinbergs Tonsprache ist emphatisch, gefüllt mit widerstreitenden Empfindungen: traurig, schroff, rastlos. All dies deckte Linus Roth im Verein mit den Niederrheinischen Sinfonikern keineswegs zu, aber er brachte durch fein dosiertes Vibrato, virtuos entfesselte Ausbrüche von Leidenschaft und klug gestaffelte Impulsivität den hohen künstlerischen Anspruch des Werks voll zur Geltung.

Wäre der Konzertsaal wenigstens zu zwei Dritteln gefüllt gewesen, hätte diese Intensivwerbung für ein wichtiges Werk sicher noch kraftvollere Rückmeldung bewirkt. Immerhin durfte der Solist, dessen physisches Auftreten vorbildliche Körperspannung zeigte, nach achtsamer Sachwalterpflicht für Weinberg doch noch den „Teufelsgeiger“-Nimbus auspacken, indem er als Zugabe Eugène Ysayes Sonate „Ballade“ mit allerlei Doppelgriff-Hexereien wählte.

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Mit tosender Klangfülle, maßgeblich getragen von den tiefen Streichern, aber auch akzentuiert durch Gong, Pauken und Holzbläser, hatten die Niederrheiner die neue Konzertsaison eröffnet. Erzromantisch die Fantasie-Ouvertüre „Hamlet“ von Peter Tschaikowsky. Ein besonderes Lob verdient der Oboist Tomislav Novák für seine Solopartie mit einer fein gesponnenen, melancholischen Melodie, die an Rimski-Korsakows „Sheherazade“ erinnerte.

Ein weniger populärer Russe stand mit seinem Namen für den festlichen Abschluss des Konzertabends ein. Alexander Glasunows 1902 komponierte 7. Sinfonie in F-Dur heißt nicht zufällig mit Nebentitel „Pastorale“. Beethoven rückt allerdings bald in den Hintergrund, thematische Anleihen bei dem Wiener Klassiker hatte der hochtalentierte Erfinder theatralischer und bukolischer Figuren aus Petersburg nicht nötig. Der GMD ließ den Solisten, vor allem Darío Portillo Gavarre an der Flöte, Stella Farina (Harfe) und der Posaunistin Hilma Schultz, genügend Raum zur individuellen Entfaltung, doch öfter forcierte er auch das Tempo oder zog die Zügel straff.

Ein Novum: Erstmals gaben die Niederrheinischen Sinfoniker eine Zugabe in einem Sinfoniekonzert. Glasunows Suite charactéristique machte Kütson beim launigen Dirigieren mindestens genauso viel Spaß wie den Zuschauern, die dem GMD dabei zusehen durften.

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