Fotokunst von Dirk Albertz und Wolfgang Dreßen in Mönchengladbach

Mönchengladbach : Fotokunst im Ladenlokal

Trinkhallen, Menschen, Bilder aus New York: Dirk Albertz und Wolfgang Dreßen zeigen ihre Gemeinschaftsarbeiten jetzt dauerhaft in einem Raum an der Neusser Straße. Jedes Foto ist ein Unikat. Ein spannender Rundgang.

Jetzt haben sie also eine eigene Galerie. In dem Ladenlokal an der Neusser Straße 291 können sie zeigen, was sie können. Und das lässt sich sehen. Dirk Albertz und Wolfgang Dreßen sind Fotokünstler. Bei einer Ausstellungseröffnung haben sie sich 2008 kennengelernt – und schnell gemerkt, dass sie ziemlich ähnlich ticken. Vor allem bei allem, was das Fotografieren betrifft. Es entstand Freundschaft, es entstand Zusammenarbeit. Gemeinsam entwickeln sie die Ideen für ihre künstlerischen Fotografien, gemeinsam suchen sie nach der besten aller möglichen Einstellungen, und dann drücken sie drauf. Wer den Knopf betätigt? „Spielt überhaupt keine Rolle“, sagen die beiden.

Diese Geistesverwandtschaft dokumentiert ein kleines Schwarz-Weiß-Foto, das die beiden auf dem Rücken liegend mit einer Kamera zeigt, die sie gemeinsam in den Händen halten. „Wir haben unter einer Hebebühne gelegen, um ein Auto von unten zu fotografieren“, erzählen sie. Dabei entstand das Foto, das so viel über Wolfgang Dreßen und Dirk Albertz aussagt.

Irgendwo zwischen Mönchengladbach und Neuss haben Wolfgang Dreßen und Dirk Albertz diese Trinkhalle entdeckt und kunstvoll abgelichtet. Foto: Heß, Sven

Neuerdings gehören Kioske zu den Objekten ihrer kreativen Begierde. In der Galerie zeigen sie einige davon. Etwa das Büdchen im Geneickener Bahnhof, das am Rohrplatz und eine besonders schöne Trinkhalle, die sie irgendwo zwischen Mönchengladbach und Neuss entdeckt haben. Unglaublich ästhetisch sehen sie auf den Fotos aus, stimmungsvoll ist die Beleuchtung, wie auf einer Bühne werden sie präsentiert – diese Orte, die in jedem Erinnerungen wecken. Da wird die Bockwurst im Brötchen angeboten, in Gläsern warten süße Verführungen darauf, vernascht zu werden, Zeitungen liegen aus – es gibt eigentlich nichts, was es im Büdchen nicht zu kaufen gäbe. Gelegentlich tauchen nächtliche Besucher auf, die durch die Langzeitbelichtung verhuscht im Bild erscheinen. „Kioske sind ganz besondere Orte – Zeitzeugnisse“, sagen die beiden. Und sie haben sie ganz besonders in Szene gesetzt.

Aus früheren Ausstellungen sind großformatige Arbeiten zu sehen. Etwa Fotos, die Dirk Albertz in New York gemacht hat. „Da war Wolfgang einmal nicht mit dabei“, sagt er. Da ist der nächtliche Time Square zu sehen und ein Hot-Dog-Stand. Und ein riesiges Foto beeindruckt durch seine monochrome Farbgebung in Blau- und Grautönen. „Ich stand auf dem Rockefeller-Building und hatte glücklicherweise gerade meine Kamera zur Hand“, sagt Dirk Albertz. Und da gab es diesen einen kurzen Moment, als das Licht die Skyscraper der Stadt zart-blau-grau unter dem ebenso zart-blau-grauen Himmel färbte.

An einer Wand in der Galerie ist ein Feuerwehrmann zu sehen. Und das gleich zweimal – in Jeans und T-Shirt und in Feuerwehruniform. Er gehört zu einer Fotoserie, die Albertz und Dreßen vor zwei Jahren in der Ausstellung „face to face“ in der Reihe „Linie Kunst“ im Foyer der NEW präsentierten. Da zeigten sie Menschen in Berufsbekleidung und ganz privat. Da war Schwester Maria zu sehen, ein Starstromelektriker, ein Notfallchirurg, eine Schwimmmeisterin, ein Torwart, ein Schauspieler, einen Kfz-Mechatroniker aus Adghanistan und der Schauspieler Adrian Linke vom Mönchengladbacher Theater. „Die Menschen begegneten sich quasi selbst.“

Die Galerie an der Neusser Straße ist ein spannender Ort. Vorher wurden in dem Ladenlokal Blumen verkauft, heute gibt es Kunst zu sehen. Einfach mal reinschauen.

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