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Filmclub "Kamera aktiv" in Mönchengladbach

Amateurfilmer in Mönchengladbach : Vom Geschichtenerzählen mit der Kamera

Die technische Ausrüstug sei zweitrangig, sagen Filmer des Klubs „Kamera aktiv“. Wichtiger sei, dass man eine Story für den Zuschauer habe.

Klar, im Wohnzimmer von Karl Laier ziehen die bereitgestellten Filmkameras und Scheinwerfer die Blicke auf sich. Man ist ja schließlich – noch vor der von der Landesregierung verhängten Kontatsperre – zu Besuch bei Hobby-Filmern mit Ambition. Laier macht zurzeit die Pressearbeit für „Kamera aktiv“, der 1986 gegründete Filmclub, dessen Mitglieder regelmäßig bei regionalen und nationalen Wettbewerben Preise absahnen. Da kommt auch schon der Vorsitzende des heute 14 Mitglieder zählenden Vereins herein, Heidulf Schulze, den Laier als den erfolgreichsten deutschen Hobbyfilmer aller Zeiten vorstellt. Und Teilchen gibt’s auch.

Eigentlich wollten wir über die Ergebnisse beim Filmfestival in Düsseldorf sprechen, wo sowohl Laier wie Schulze Arbeiten eingereicht hatten. Laier eine Reportage über einen kleinen Fußballverein am Heimatort seiner Freundin, Schulze den Film „Downtown Gallery“, der eine Kunstaktion in einem Krefelder Bunker dokumentiert. Aber das Festival fand nicht statt, des Virus wegen. Also wenden wir uns allgemeineren Dingen zu: Was ist ein guter Film? Was macht ein Filmclub?

„Das Wichtigste ist nicht die Technik. Das Wichtigste ist, eine Geschichte zu erzählen.“ Das sagt Schulze, der 78-jährige frühere Rechtsanwalt, der seit 1972 die Welt durch seine zahlreichen, inzwischen digitalen Kameras wahrnimmt. Ethnologisches Interesse hat den Krefelder an die entlegensten Enden der Welt geführt, Talent für Sprachen, Leute, und eine besondere Begabung für Perspektiven haben seinen Reisereportagen Amateurfilmpreise bis auf internationaler Ebene eingebracht. Er führt den Filmclub „Kamera aktiv“ seit 2009.

„Kamera aktiv“ ist in die Jahre gekommen. Nachwuchs ist rar, das Jüngste von 14 Mitgliedern ist Ende 40, zwei sind noch berufstätig. Elf Männer, drei Damen. Der Älteste ist 97.

Dennoch treffen sich – in normalen Zeiten – regelmäßig sieben bis zehn Filmschaffende vierzehntäglich donnerstags im Franz-Balke-Haus in Rheydt und zeigen und diskutieren ihre „Arbeitsversionen“.  „Kritik ist bei uns wohlwollend, konstruktiv“, sagt Laier. Gemeinsame Fehlersuche bei Schnitt, Beleuchtung, Perspektive. Softwarefragen spielen eine untergeordnete Rolle, die gängigen Programme können fast alles. Und bei Spezialproblemen (zum Beispiel Landkarten) hilft man sich. Ab und zu gibt’s Themenabende, auf der Agenda vor Corona stand ein Workshop zum Thema: „Wie man spricht“. Der wird baldmöglich nachgeholt.

Gäste sind übrigens willkommen beim Vereinsabend. Am besten schauen Interessierte mal auf die spartanische, aber informative Internetseite des Vereins. Da gibt es auch Tipps zu Kameras und Zubehör. Für rund 700 Euro ist man schon sehr vernünftig ausgestattet, sagen die Profi-Amateure. Und sie haben auch die drei ehernen, nur in begründeten Ausnahmen diskutablen Regeln des Filmens parat: nie ohne Stativ, nie zoomen, nie schwenken. – Zeit für einen Schnitt.