Mönchengladbach: Erfolgsmodell Kulturkapelle Gerkerath

Mönchengladbach : Erfolgsmodell Kulturkapelle Gerkerath

Möglicherweise wäre das kleine Gotteshaus inzwischen geschlossen. Wenn nicht ein paar kreative Dorfbewohner die Idee "Kultur aus der Region für die Region" tatkräftig umgesetzt hätten. Bereits seit vier Jahren sind sie aktiv.

Vor fast genau vier Jahren gab es die erste Veranstaltung ihrer Art in der Gerkerather Kapelle St. Johannes, die sich seitdem Kulturkapelle nennt. Das Jazz-Duo Christian Bauer und Wilfried Nogatz traten mit Bass und Gitarre auf, der Frauenchor "Sancanto" sang unter der Leitung von Jutta Kuhlen-Bauer, und dann rockte die Band "Hier geht was" mit Stephan Schwiers, Achim Guse und Manfred "Manna" Breuer das kleine, feine Gotteshaus. Seitdem hat es 19 Kulturveranstaltungen mitten im Dorf gegeben, und alle dienten dem Erhalt des Gebäudes und der Rettung der Orgel.

Foto: Ilgner Detlef

Und möglicherweise hat das neue Konzept "Kultur aus der Region für die Region" Schlimmeres verhindert. Denn nur zwei Monate nach dem Start der neuen Gerkerather "Location" musste der für die Rheindahlener Kirchen zuständige Pfarrer Harald Josephs seine sieben Gemeinden über die Schließung der Dorthausener Kirche informieren. "Ich bin sicher, dass wir auch auf der Einsparliste standen", sagt Christian Bauer. Er hatte damals die Gelegenheit, dem Aachener Bischof das Konzept der Kulturkapelle zu erläutern - und fand damit große Anerkennung. Möglicherweise wurde das kleine Gotteshaus auf diese Art tatsächlich gerettet.

Die Idee, Kultur ins Dorf zu bringen, heckten der Designer, Bildhauer und Musiker Christian Bauer und seine Frau, die Musikerin Jutta Kuhlen-Bauer sowie der Lehrer und Musiker Stephan Schwiers aus. Sie sind bis heute im Vorstand. Außerdem gehören dazu Ulrike Esser, Andy und Christine Williams und Paul Randerath. Das Besondere: Alle Vorstandsmitglieder leben tatsächlich in dem kleinen Ort Gerkerath. Seit 2015 gibt es einen Förderverein für die Kapelle, dem 22 Menschen angehören. "Dadurch haben wir eine gemeinnützige Struktur bekommen, die das Verbuchen der Spenden sichert", sagt Christian Bauer.

Nach und nach hat es sich herumgesprochen: In der Kulturkapelle ist es schön, es herrscht eine gute Akustik, die Veranstaltungen sind in der Regel bestens besucht. "Es geht eben nicht nur um unser Bedürfnis, in und für unser Dorf etwas zu tun, es geht auch um Auftrittsmöglichkeiten lokaler Künstler." So hat es sehr unterschiedliche Veranstaltungen gegeben: Bands traten auf und Chöre, es gab Heimat- und Orgelabende, Autorenlesungen und Klassik. Und alle Kulturschaffenden, die in Gerkerath auftraten, verzichteten auf ihre Gagen. Am Ende wurden die Zuschauer und Zuhörer um Spenden gebeten. "100 bis 500 Euro kamen bei jeder Veranstaltung zusammen", sagt Bauer.

Bereits im September 2016 konnte der Förderverein 2963 Euro vorlegen. Mit Mitteln aus der Gemeinde und der entsprechenden Förderung durch das Bistum konnte die Orgel gereinigt werden. Und klingt jetzt wieder, nachdem der Dreck von 30 Jahren entfernt wurde. Außerdem wurden alle Möbel, überhaupt alles, was in der Kapelle aus Holz besteht gesäubert und gegen Schimmel präpariert. "Wir können heute sagen, wir haben mit der Kulturkapelle ein Forum für Rheindahlen, die Dörfer und das Umland geschaffen", sagt Christian Bauer.

(isch)
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