Dieses Jahr machen die c/o-Künstler Michael Beckers, Marlene Dammers und Lars Wolter bei Kunst im Rathaus mit.

Ausstellungsreihe in Mönchengladbach : Das Rathaus als Kunstgalerie

Die c/o-Künstler Michael Beckers, Marlene Dammers und Lars Wolter stellen ein Jahr lang im Rathaus aus. Ihre Werke sind spannend, aufwendig und vor allem sehr unterschiedlich.

Für die Verweildauer ihres Daseins hat bisher noch jede Kunstausstellung im Rathaus die Ausstrahlung der Räume individuell mitgeprägt. In der fünften Auflage „Kunst im Rathaus“ ist das Büro von Oberbürgermeister Hans-Wilhelm Reiners nicht einfach Hort für Kunst, sondern Teil der Installation. „Als Lars Wolter hier das erste Mal stand, hat er dem Raum nachgespürt, um zu erfahren, wie er ihn bespielen kann“, sagt Kuratorin Henrike Robert, Volontärin der c/o-Künstlerförderung. In der Reaktion auf diese Erfahrung hat der Künstler ergänzend zu Wandobjekten und einer Auswahl an Papierarbeiten eine Wand gestaltet – natürlich auf Zeit. Denn auch dieses Werk wird nach einem Jahr anderen Präsentationen weichen, wie es das Prinzip der von Reiners eingeführten Reihe ist. Auf Empfehlung der c/o-Künstlerförderung des Städtischen Kulturbüros garantieren die Mönchengladbacher c/o-Mitglieder Michael Beckers, Marlene Dammers und Lars Wolter in ihrer Unterschiedlichkeit anregende Vielfalt.

Wolter variiert die Grundformen Kreis, Quadrat und Kreuz, um sie werkintern und übergreifend in verschiedene Blickachsen in Beziehung zu setzen und mit der Wahrnehmung zu spielen. Auf den zweiten Blick wird die diagonale Verschiebung der gereihten und rhythmisch wiederholten Kreuzformen sichtbar. Quadratische Zwischenräume stellen die Verbindung zur Installation aus zwölf „Squares“ her, die über Materialität und Aussparung die Gegenpole Fläche und Tiefe, Quadrat und Kreis, Innen und Außen umspielen. Kleinformatige Papierarbeiten im Vorzimmer wirken verhaltener. Sie sind behutsamer im Rückgriff auf organische Formen, und doch spiegeln gezackte Linien den Formenkanon der Objekte.

Während Wolters Kunst weitgehend die Spuren des Arbeitsprozesses negiert, bebt Marlene Dammers’ Farbmalerei in impulsiver Bewegung und einem raumgreifenden, gut sichtbaren Gestus. Ihre Bilder strahlen kraftvolle Lebensenergie, eine mitreißende Impulsivität aus. Die Malerei ist spontan, basiert aber auf vielen Skizzen und Bewegungsstudien. „Ich arbeite immer mit Modell oder mit einem Bezug zu etwas, das ich sehe. Während des Malprozesses aber verselbstständigen sich die Arbeiten, deren Schwerpunkt Bewegung ist. Ich treffe Entscheidungen spontan und mache Schluss, wenn der Energieschwall endet. Dann nehme ich Abstand und schaue, ob die Arbeit so fertig ist“, sagt Dammers.

Michael Beckers schließlich arbeitet mit kunstgeschichtlichen Zusammenhängen. Er greift Elemente früherer Künstler auf und kombiniert sie mit unterschiedlichen Elementen. Am Computer erarbeitete Collagen überträgt er auf Leinwand. „Er stößt Geschichten an und lässt die Deutung bewusst offen“, sagt Kuratorin Robert zu der figurativen und rätselhaften Darstellung einer Geigenspielerin mit drei frontal zum Betrachter stehenden Wölfen und bunten Bällen. „Er lässt auf produktive Weise etwas Irritierendes entstehen“, kommentiert Thomas Hoeps, Leiter des Städtischen Kulturbüros, die Mehrdeutigkeit von Bildzitaten verschiedener Genres und Stile. So ist etwa das gezeichnete Zitat eines Künstlers ergänzt um das Motiv eines jungen Hundes. Das wirkt witzig in der Kombination, ist stilistisch ein Bruch und erscheint doch überraschend passend.

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