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Mönchengladbach: "Dichterliebe" trifft auf russische Schule

Mönchengladbach : "Dichterliebe" trifft auf russische Schule

Tenor Kairschan Scholdybajew und seine Frau, die Pianistin Indira Farabi, führen am Sonntag im Rathauskonzert Lieder von Schumann, Tschaikowsky, Rachmaninow sowie kasachische Weisen auf.

Es soll also die "Dichterliebe" sein, Robert Schumanns berühmter Liederzyklus auf Texte von Heinrich Heine, mit der sich der kasachische Sänger Kairschan Scholdybajew dem Gladbacher Publikum erstmals als Kammermusiker vorstellen wird. Begleitet von seiner Frau, der vielgefragten Klavierbegleiterin Indira Farabi, gestaltet der lyrische Tenor des Musiktheaterensembles das Rathauskonzert am 16. März in einer für ihn besonderen Disziplin. Denn der Liedgesang ist ein Kontrastprogramm zum Auftritt auf der Opernbühne. "Eine Reinigung für die Stimme", sagt Scholdybajew und zeigt gehörigen Respekt vor der Aufgabe. Denn unter der Woche steht er noch in Wagners "Rienzi" und Massenets "Manon" auf der Bühne.

Mit Indira Farabi allerdings hat Scholdybajew nicht nur eine famose Pianistin zur Seite, sondern auch eine kluge Ehefrau, die um die Qualitäten und Nöte ihres Sänger-Gatten weiß. Seit Studienjahren in Kasachstan sind die beiden Musiker eng verbunden. Als der in Almaty bereits hochgeschätzte Tenor nach Lübeck an die Hochschule wechselte und neben festen Engagements in Neustrelitz und ab 1999 in Krefeld/Mönchengladbach dort seine Stimme vervollkommnete, war Farabi seine ständige Begleiterin.

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Über Indira Farabi kam auch der Kontakt zur Rathauskonzertreihe zustande. Frank Füser, Fachbereichsleiter Musik und Weiterbildung, hatte sie als Solistin gewinnen wollen. Die Antwort lautete unzweideutig: "Nicht ohne meinen Mann." Nun singt also erstmals ein Opernsänger in der Abtei.

Beide Künstler gehören zum Kreis kasachischer Elite-Musiker, die den flächenmäßig neuntgrößten Staat der Erde im Ausland vertreten. Scholdybajew hat schon vor Bundeskanzlern und Bundespräsidenten gesungen, seine Frau vor US-Präsidenten gespielt. Die meisten Zuschauer hatte Scholdybajew, als er 2012 seine Nationalhymne beim Fußball-Länderspiel Kasachstan—Deutschland singen durfte. Beide sind stolz darauf, dass sie die "Dichterliebe" auf Deutsch singen, der Sprache ihrer neuen Heimat. "Wir verstehen jedes Wort und können es so gestalten, wie wir meinen", sagt die Pianistin, die das gleiche Programm mit ihrem Mann schon zu dessen Examen 2005 in Lübeck gespielt hat. Dabei trifft deutsche Romantik auf russische Schule. "Sowohl pianistisch als auch von der Gesangsausbildung sind wir russisch geprägt", sagt Farabi. "Und das wollen wir auch zeigen", ergänzt der Tenor. Dazu kommen Tschaikowsky, Rachmaninow, Sviridow und — ganz Botschafter ihrer Heimat — kasachische Volksweisen.

"In unserem Programm überwinden nationale Gegensätze mühelos alle Grenzen", sagt Scholdybajew im Hinblick auf die Unruhen auf der Krim. Der Vorverkauf für das Konzert läuft. Angesichts der begrenzten Kapazität des Ratssaals (100 Plätze) und der großen Popularität der Künstler dürften Tickets schnell knapp werden.

(ark)