Der WDR Rundfunkchor war zu Gast in der Citykirche Mönchengladbach

Mönchengladbach : Harmonische Dissonanzen

Herbststürme brausten durch die Citykirche, wundervolle Klänge erfüllten das Gotteshaus: Der WDR Rundfunkchor war zur Gast in der „Musik zur Marktzeit“. Die etwa 400 Zuhörer waren total begeistert. Der Chor will wiederkommen.

Wenn Menschen am Samstag zur Mittagsstunde aus allen Himmelsrichtungen in Richtung Citykirche eilen, dann ist „Musik zur Marktzeit“. Dieses besondere Geschenk an die Mönchengladbacher hat vor Jahren Münsterkantor Klaus Paulsen erdacht und seitdem Woche für Woche gefüllt. Und das Format ist so erfolgreich, dass er nun vom WDR Rundfunkchor gefragt wurde, ob die Sängerinnen und Sänger sich einmal zu dieser Zeit, zu dieser Stunde an diesem Ort präsentieren dürften. Aber natürlich! „Ich habe dem Chor einen Abendtermin in einem großen Rahmen angeboten“, sagte Paulsen, „aber es sollte die Marktmusik sein – genau die.“

Und nun kam es, wie es kommen musste: Im Nu war die Kirche gefüllt mit erwartungsfrohen Menschen. Zusätzliche Stühle wurden herangeschleppt und verteilt. Am Ende waren es an die 400 Musikfreunde, die voller Spannung auf das Konzert mit dem Titel „Neue Vokalmusik aus Ost und West“ des Kölner Chores warteten. Sie mussten sich gedulden. Die Sänger hatten sich aufgestellt, Dirigent Philipp Ahmann stand auf seinem Platz, und dann erklang großes Glockengeläut aus dem Kirchturm. Erst als das verklungen war, konnte es endlich losgehen.

Und wie es losging: Herbststürme tosten durchs Gotteshaus, Blätter wirbelten bis hoch ins Gewölbe. Mit mächtigen Crecendi erzeugten die Sängerinnen und Sänger derartige Naturgewalten. „Sügismaastikud“ (Herbstlandschaften) heißt das Werk des estnischen Komponisten Veljo Tormis (1930-2017), mit dem das Konzert begeisternd effektvoll begann. Atemlos verharrte das Publikum nach dem letzten Ton eine ganze Weile, um dann frenetisch zu applaudieren.

Charmant und fröhlich führte WDR-Redakteurin Elfi Vomberg durch das Programm. Die Mönchengladbacherin sagte, ein Blick ins Archiv des WDR habe ihr offenbart, dass der Rundfunkchor in dieser Form tatsächlich zum ersten Mal in Mönchengladbach auftrete. Es solle aber gewiss nicht das letzte Konzert in der Citykirche sein. Begeisterter Applaus,.

Mit Cherubinischem Lobgesang des polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki (geb. 1933), ging es weiter. Dieser phantastische WDR Rundfunkchor schaffte es, dass selbst die krassesten Dissonanzen harmonisch klangen. Eine großartige Leistung.

Spektakulär begannen die „Four American Choruses“ von Julian Anderson (geb. 1967). Die Sängerinnen blieben auf den Chorstufen stehen, die Männer verteilten sich in den Seitenschiffen – Tenor links, Bass rechts. Vier Dirigenten traten an, um die einzelnen Stimmen zu führen. Philipp Ahmann gab seinen vier „Kollegen“ mit knappen Gesten die Einsätze. Nur einmal hatte der Chor am Morgen in der Citykirche proben können. Unglaublich, wie die Abstimmung klappte. Tatsächlich war das Publikum nach dieser Nummer komplett aus dem Häuschen. Klaus Paulsen fehlten fast die Worte. „Das ist der Hammer“, entschlüpfte es ihm dann doch.

Das Publikum applaudierte stehend und respektvoll.

Mehr von RP ONLINE