Das Küchentheater probt ein neues Stück in Mönchengladbach

Mönchengladbach : Sie lieben und sie prügeln sich

Die Mieter eines Hauses irgendwo in Deutschland müssen miteinander klarkommen. Als ein Flüchtling einzieht, eskaliert die Situation. Das neue Stück des Küchentheaters heißt „Die von nebenan“. Ein Probenbesuch in der Mönchengladbacher Altstadt.

Nico ist ein Widerling. Dumm, aber strotzend vor Selbstverliebtheit, eitel, aber in der Außenwirkung zutiefst abstoßend. Frisiert seine Haare mit Spucke, fasst sich in die Hose, ist rassistisch und gewaltbereit. Er macht Kim an, die im Mietshaus Tür an Tür mit ihm wohnt. Die fühlt sich wie eine Königin, mindestens aber wie ein Model, wirkt allerdings in ihrer knallengen schwarzen Hose und dem schulterfreien roten Oberteil wie eine billige Schlampe. Immerhin – schöne Haare hat sie. Was ihr bewusst ist. Ihre Hände sind permanent mit der Frisur beschäftigt. Den fiesen Nachbarn lässt sie abblitzen. Allerdings: Der Blödmann wird niemals aufgeben, bildet er sich doch ein, dass er – vor allem körperlich – mehr zu bieten hat als jeder andere Mann auf der Welt.

Julian Sprengers ist Nico, Julia Dentges die eingebildete Kim. Die beiden gehören zum Ensemble des Küchentheaters, das seit Monaten unter der Regie von Dietmar von der Forst probt. Am 9. und 10. Mai wird das Stück „Die von nebenan“ auf der Bühne der Kulturküche an der Waldhausener Straße 64 aufgeführt. Seit Dezember vergangenen Jahres kommt der Regisseur einmal im Monat von seinem derzeitigen Wohnsitz Berlin nach Mönchengladbach. Dann wird intensiv geprobt – von Freitagabend bis Sonntag. „Ich verbinde diese Wochenenden mit Besuchen bei meinen Eltern in Viersen“, sagt Dietmar von der Forst. Der Grafik-Designer und Theaterpädagoge hat die Themen für sein Stück mit den Laiendarstellern gemeinsam gesucht und gefunden. „Beruf, Karriere, Sex, Flüchtlinge, Demenz und Tod – das sind die Lebensfelder, die wir letztendlich abbilden.“

Dafür braucht es entsprechende Charaktere. Da ist Sapeen Theivendrarajah, der als Flüchtling Reheen glücklich ist, eine Wohnung in dem deutschen Mietshaus gefunden zu haben. Eines Tages steht er mit Mietvertrag, Rucksack, einer Reisetasche und einem Pappkarton vor der Tür und wird von Nico bösartig angepöbelt. „Eher kratzt du auf dem Meer ab, als dass du hier einziehst“, droht er dem dunkelhäutigen Mann. Und geht auf ihn los. Die anderen Mieter mischen sich ein. Sie weisen Nico in die Schranken und begrüßen den neuen Nachbarn.

Es ist eine bunte Gesellschaft, die in dem großen Mietshaus lebt. Da ist der friedliebende Felix (Martin Timur Bayer) mit bunter Schlabberhose und Rasta-Locken. Er ist entsetzt, als Nico ausrastet, mischt sich aber nicht ein. Gewalt ist nicht sein Ding. Und da ist Rebecca (Denise Meeger). Sie hat ganz andere Sorgen. Ihr Vater, der Herr Weber (Walter Domers), wohnt in dem Mietshaus und entschwindet zunehmend in die Demenz. Sie hängt pausenlos am Handy, versucht, für ihn einen Platz im Altenheim zu bekommen. Es entwickeln sich abstruse Dialoge. Rebecca macht unmissverständlich deutlich, dass sie als Karrierefrau keineswegs unter finanziellen Problemen leidet. Sie würde morden, um den Vater vom Hals zu haben.

Dietmar von der Forst ist ein klug lenkender Regisseur. Er greift ein, wenn es nötig ist, lässt die Schauspieler Dinge ausprobieren, ermuntert sie. Wichtig ist ihm, dass sie Gefühle empfinden und zum Ausdruck bringen. „Was denkst du, Denise, wenn du hörst, dass dein Vater nur einen Platz auf der Warteliste des Altenheims bekommt?“, fragt er. „Du darfst als Nico echt die Sau raushängen lassen“, sagt er zu Julian Sprengers.

Und die Darsteller? Sie sind ausgesprochen diszipliniert und kreativ. Neben den genannten Akteuren gehören Meike Münster und Riccarda Siebers-Steiner zum Team. Sie alle sind ambitioniert, mutig und ausdauernd. Sie haben ihre Texte weitgehend selbst geschrieben, Regisseur Dietmar van der Forst schafft den Rahmen für die Handlung. Das Stück „Die von nebenan“ sollte ein voller Erfolg werden.

Inge Schnettler

Info Die aktuelle Produktion „Die von nebenan“ hat Premiere am Donnerstag, 9. Mai, Beginn: 19.30 Uhr, Einlass 18.30 Uhr auf der Bühne der Kulturküche, Waldhausener Straße in Mönchengladbach. Ein weiterer Termin ist am Freitag, 10. Mai, ebenfalls Beginn um 19.30 Uhr. Eintrittskarten kosten acht Euro. Die Premiere ist ausverkauft, für die zweite Aufführung gibt es noch Tickets. Karteninfo online unter der Adresse: karten@kulturkueche.com.

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