Konzert in der Grabeskirche Camille Saint-Saëns „Requiem“ erstmals in Mönchengladbach

Mönchengladbach · Vier Solisten, großes Orchester, zwei Orgeln, Hafen und ein Chor - den Aufwand scheuen viele. Umso größer die Freude bei den Zuschauern, denen dieses Zusammenspiel zuteil wurde.

 Klaus Paulsen dirigierte das Requiem in der Grabeskirche.

Klaus Paulsen dirigierte das Requiem in der Grabeskirche.

Foto: Markus Rick (rick)

Für Klaus Paulsen war es ein Traum, einmal das „Requiem“ von Camille Saint-Saëns aufzuführen. An Allerheiligen hat er sich diesen Traum beim Konzert zum zehnjährigen Jubiläum der Grabeskirche St. Elisabeth erfüllt. Als die letzten Töne der spätromantischen Messe verklungen waren, stand er lange still da, bevor er sich lächelnd zum Publikum umdrehte. „Ich war zutiefst glücklich“, sagt er. Es war das das erste Mal, dass Saint-Saëns Requiem in Mönchengladbach gespielt wurde. Die aufwendige Besetzung mit Chor, Solisten, großem Orchester, zwei Orgeln und zwei Harfen lässt viele zurückschrecken.

Auch für die Besucher war es ein Glück, dieses Debüt mit dem „Newkammer-Chor“ und dem „Orchester der Münstermusik“ mitzuerleben. Die weiteren Stücke waren eine klug gewählte Ergänzung zu dem emotional-stürmischen Requiem: zwei Motetten von Reger und „The fruit of Silence“ von Peteris Vasks. Mit schlichter Schönheit, aber nicht weniger intensiv, rahmten sie die Messe ein.

Wenn vier Sänger gegen einen 40-köpfigen Chor, 30 Musiker und zwei Orgeln ansingen, ist das für die Solisten eine Herausforderung, oft stürzen sie ab. Doch Paulsen balancierte das Zusammenspiel der Kräfte sehr gut aus. Das lag auch an seinen starken Solisten – an Johannes Klüser als tragendem Tenor und der Sopranistin Dorothee Wohlgemuth.

Saint-Saëns Messe lebt von dem Wechselspiel zwischen Chor, Solisten und Orchester. Da gibt es im „Agnus Dei“ eine wunderschön-traurige Melodie mit Querflöte, Fagott und Oboe. Doch wenn beim „Dies Irae“ die große Orgel (Heinz-Josef Clemens) aufbrandet und eine Posaune von der Orgelempore schmettert, meint man, gleich werde ein apokalyptisches Unwetter vom Himmel prasseln. Dann wieder sorgen zwei Englischhörner, Harfen und ein dichter Streicherklang bis in die hohen Lagen für weiche Klangfarben und starke Intensität.

Das Stück ist symphonisch angelegt, immer wieder übernimmt das Orchester einen tragenden Part. Das „Orchester der Münstermusik“, besetzt mit Lehrern und ehemaligen Schülern der Musikschule, spielt präzise und zupackend, aber nie zu dick. Der „Newkammer-Chor“ singt sauber, kraftvoll und frisch, sackt nicht ab und bewältigt souverän a capella die Reger-Motetten. Bei Vasks „The Fruit of Silence“ lassen Chor und Streicher gemeinsam Klangflächen entstehen. Ganz minimalistisch, voll ruhiger Kraft. Das ist genau der Gegenpol, der den Abend rund macht.

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